Aidan Baker & Tomas Järmyr – Werl

Aidan Baker & Tomas Järmyr – WerlDer kanadische Musiker Aidan Baker dürfte vielen Musikinteressierten längst ein Begriff sein, nicht zuletzt weil der häufig als Solokünstler in Erscheinung tretende Klangvisionär durch NADJA große Bekanntheit erlangte. Aidan Baker kanalisiert seine Schaffenskraft aber nicht nur mit NADJA oder CAUDAL, sondern immer wieder auch in einer Kollaboration mit anderen Musikern. Auf „Werl“ vereint der in Berlin lebende Aidan Baker seine experimentellen Gitarrenlandschaften mit dem schwedischen Schlagzeuger Tomas Järmyr. Dieser ist unter anderem mit experimentellen Jazz-Noise-Drone-Avantgarde-Bands wie YODOK, YODOK III und BARCHAN unterwegs.

Das Album „Werl“ ist die erste Zusammenarbeit der beiden Musiker und kommt als umfangreiche Doppel-CD. Die acht Kompositionen erreichen eine Spielzeit von rund 96 Minuten, und wer die Musiken von Aidan Baker kennt, wird ungefähr eine Vorstellung davon haben, was auf „Werl“ wartet.

Der Aufteilung auf zwei CDs lagen offensichtlich nicht nur logistische Überlegungen zugrunde, 96 Minuten passen auf keine Audio CD, soviel ist klar. Dennoch lassen sich die beiden Tonträger programmatisch voneinander trennen, man kann sie sozusagen in zwei Kapitel oder Akte aufspalten.

Während die erste CD durch relativ rockige Arrangements und dynamische Gitarrenklänge dominiert wird, bestimmt auf der zweiten CD eine maschinenhafte Dunkelheit die Stimmung, welche eine rituell anmutende Vermischung von Drone, Noise, Jazz und Industrial andeutet. Die erste CD kann laut sein, es kann aber auch sehr leise und behutsame Darbietungen geben. Es kann verzerrte Gitarrensoli geben die sich schemenhaft durch psychedelische Nebelschwaden leiern. Über weite Strecken sind die Lieder ruhig und dezent, doch hin und wieder lassen es Baker und Järmyr krachen, dann gehen sie in die Vollen und intensivieren allmählich Klang und Lautstärke ihrer improvisiert wirkenden Einlassungen. Bei solchen Parts, wie in „Werl II“, bekomme ich eine veritable Gänsehaut. Überdies macht es auch Spaß dem schwedischen Schlagzeuger zuzuhören, lässt er bei seinem differenzierten Spiel jede Menge Jazz-Inspirationen erkennen.

Die zweite CD ist experimenteller und weitgehend durch gleichförmige Geräusche bestimmt. Aidan Baker entlockt seinen Instrumenten dunkle Klangformationen, schemenhafte Klangbilder und Krach. Auf der einen Seite ist das über weite Strecken sehr monoton, dennoch faszinieren mich diese Geräusche über alle Maßen. Diese Klanglandschaften unterliegen durchaus auch einer Veränderung, nur geschieht hier alles sehr zögerlich und abwartend.

Baker & Järmyr lassen sehr viel Interpretationsspielraum zu und präsentieren sich als virtuose Künstler an ihren Instrumenten. „Werl“ ist jedem ans Herz zu legen der sich für experimentelle Instrumentalmusik interessiert. Es ist wie ein 8-Gänge-Menü in einem Sternerestaurant, für das man viel Zeit und Aufmerksamkeit mitbringen sollte.

Aidan Baker & Tomas Järmyr – Werl
09.09.2016 | Instrumental Rock
2CD | ConSouling Sounds

1.1 Werl I
1.2 Werl II
1.3 Werl III
1.4 Werl IV
2.1 Werl V
2.2 Werl VI
2.3 Werl VII
2.4 Werl VIII

http://aidan-baker.tumblr.com/ | https://www.facebook.com/AidanBakerMusic | https://aidanbaker.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/tomasjarmyrofficial/
http://consouling.be/

07-09-16: Jazzhouse, Copenhagen, DK
08-09-16: MS Stubnitz, Hamburg, DE
09-09-16: Incubate Festival, Tilburg, NL
10-09-16: Private Studio Session (RVSP necessary), Duisburg, DE
11-09-16: Tiefgrund, Berlin, DE
21-10-16: Svarte October Festival, Oslo, NO

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