April Fishes – Carpe d’Or

April Fishes - Carpe d'OrDie APRIL FISHES sind Manuel Adnot an der 8-saitigen Gitarre, Adrien Dennefeld am Violoncello, Romain Dugelay am Baritonsaxophon und Sylvain Darrifourcq am Schlagzeug. Die vier Musiker sind alles andere als unbeschriebene Blätter, so begegnete mir Darrifourcq erst kürzlich mit dem MILESDAVISQUINTET! und mit IN LOVE WITH, deren Platte „Axel Erotic“ hier derzeit Album des Monats ist. Dugelay hingegen trat mit KOUMA und POLYMORPHIE abstrakt und experimentell in Erscheinung.

Während die anderen Bands der hier beteiligten Musiker durchaus als sperrig und kompliziert durchgehen, bewegen sie sich mit APRIL FISHES auf leichter zugänglicherem Terrain. Denn „Carpe d’Or“ ist ein, für mich überraschend, ruhiges und harmonisches Werk. Die vier Musiker agieren zwar barrierefrei und überschreiten Genregrenzen immerzu, doch geschieht dies weitgehend wohlklingend und konsonant.

Die APRIL FISHES formen aus Jazz, elektronischen Elementen und experimentellem Postrock eine eigene Klanglandschaft. Die Arrangements können dabei überaus harmonisch und lieblich ausfallen, ätherische Ambientschnipsel verschmelzen schon mal mit sphärischen Postrock-Gitarren zu einer fließenden Klang-Metamorphose. Die Stile und Genres lösen sich immer wieder auf und setzen sich neu zusammen. Auch wenn das Leise, Zarte und Gefühlvolle überwiegt, ist „Carpe d’Or“ nicht ausschließlich sonor und freundlich gesinnt. Das Quartett lässt es sich freilich nicht nehmen, hier und da auch mal einen düsteren, melancholischen und spannungsvollen Part einzustreuen. Dafür sind dann Dark Ambient oder Dugelay am Baritonsaxophon zuständig, welches allerdings vornehm zurückhaltend und relativ rar gesät zum Einsatz kommt. Das finde ich persönlich etwas schade, denn gerade wenn das Baritonsaxophon und das Schlagzeug gemeinsam zu improvisiert wirkenden Darbietungen ansetzen, gefallen mir die Klänge besonders gut.

April Fishes
© Michael Parque

„Carpe d’Or“ hat sehr gute, tolle Momente. Die Qualitäten der Musiker sind unbestritten, allerdings treffen sie mit ihrer freien und avantgardistischen Vermischung aus Ambient, Postrock und Jazz nicht gänzlich meinen Geschmack. Ich würde es mir etwas lebendiger, jazziger und lauter wünschen. Die zahlreichen ruhigen und harmonischen Arrangements sind nicht schlecht, nur sind sie mir auf die Dauer etwas zu fad. Doch wer ein Faible für sphärische Klanglandschaften hat, der wird mit „Carpe d’Or“ womöglich mehr Freude haben als ich.

April Fishes – Carpe d‘Or
2016 | Jazz, Improv, Experimentell
Digital / CD | Atypeek Music, Grolektif

1. Offshore
2. Nori et Wakamé
3. Carpe d’Or
4. Tendance Brique
5. Les eaux du gouffre aux tortues
6. Nishiki
7. La fosse des Mariannes / Pays de neige

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