Ball – Ball

Ball - BallWer seinen Rock dreckig und gerne auch obskur mag, sollte hier unbedingt weiterlesen. Denn das schwedische Trio BALL wird in Kürze sein Debütalbum veröffentlichen, welches eine merkwürdige (im besten Sinne des Wortes!) Mischung aus Hardrock und Psychedelic Rock der Sechziger und Siebziger ist, die mit etwas Punk und Heavy Metal angereichert wurde. Das Ganze wird auch als ‚Hardrock from hell‘ beworben, also Bier aufgemacht, Nieten- und Patronengurte umgelegt und los geht’s.

„Ball“ ist eine coole Zeitreise zurück in eine Zeit, die so lange vorbei ist, dass sich viele von euch vermutlich gar nicht vorstellen können, wie es einst war, und es befremdlich finden, mit nacktem Oberkörper samt Oberlippenpart, wilder Mähne und Lederoutfit zu posieren. Die Ästhetik war eine andere, Schweiß, markante Gerüche und auch wildwuchernde Körperbehaarung waren angesagt. Es waren Zeiten, als Provokation, Protest und Anarchie ein wesentlicher Bestandteil der Jugend- und Subkultur waren. Wer will denn heute noch protestieren oder provozieren*?

Es schimmern so viele Einflüsse und Huldigungen unterschiedlichster Bands verschiedener Dekaden durch, dass es müßig wäre** alle zu nennen und fein herauszuarbeiten. Mal gibt es astreinen Psychedelic Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger, dann scheint Punkrock durch, der mich an DEAD KENNEDYS denken lässt (die melodischen Gitarren in „Speeding“ erinnern phasenweise an Klassiker wie „Too Drunk To Fuck“ oder „Holiday In Cambodia“) , woanders erinnert mich „Ball“ an Bands wie BLACK SABBATH oder PENTAGRAM aber auch an VENOMs Debütalbum „Welcome To Hell“ oder an ANTISEEN muss ich denken, wenn BALL besonders dreckig und lärmend aufspielen.

Ball
Foto: Horny Records

Gitarrist und Sänger S. Yrék Ball hat aber auch ein fieses, raues und kratziges Organ. Er versteht es ausgezeichnet, sich stimmlich derart zu inszenieren, dass sein dreckiger und markanter Gesang fast schon aufdringlich ist. Diese Überzeichnung wird vermutlich nicht jedem gefallen, ich aber finde sie wunderbar. Mut zur Hässlichkeit ist etwas wunderbares, Ecken und Kanten sind unvergleichlich interessanter als Glattschliff und seelenlose Politur.

BALL treffen nicht unentwegt meine musikalischen Präferenzen, dennoch macht das Album Spaß. Gerade die lauten und hässlichen Arrangements finden meine innigste Zuneigung. „Ball“ tut weh, es ist authentisch und ungezwungen, ich nehme es dem Trio absolut ab, dass sie einfach das taten, worauf sie Bock hatten, und dass „Ball“ ihre Hörgewohnheiten und Vorbilder widerspiegelt. Das Album ist nicht originell aber ‚hot as hell‘ und eine Liebeserklärung an Satan, Sex und Rock’N’Roll.

Ball – Ball
19.05.2017 | Psych Heavy Rock
Vinyl, CD, Digital | Horny Records (Subliminal Sounds)

1. Balling
2. Speeding
3. Satanas
4. Fyre Balls
5. Fyre
6. Galaxy 666

F.S. Ball – Bass
M.F. Ball – Schlagzeug
S. Yrék Ball – Gitarre, Gesang

*Kann man denn heute überhaupt noch wirklich provozieren? Ich glaube nicht.

**Ich wollte kein Namedropping betreiben und es vermeiden Bands zu nennen, doch dann ging es mit mir durch und die Vergleichsbands sprudelten nur so aus mir heraus. Man möge es mir bitte verzeihen.

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