Bethlehem – Hexakosioihexekontahexaphobia

Bethlehem - HexakosioihexekontahexaphobiaBETHLEHEM taten sich 2009 mit der Veröffentlichung von „A Sacrificial Offering To The Kingdom Of Heaven In A Cracked Dog’s Ear“ keinen Gefallen. Die Neuaufnahme von „Sardonischer Untergang im Zeichen irreligiöser Darbietung“ war klanglich, gesanglich und auch atmosphärisch ein Desaster, die Neuaufnahme blieb meilenweit hinter „Sardonischer Untergang im Zeichen irreligiöser Darbietung“ zurück. Doch schon zuvor gingen BETHLEHEM (allen voran Jürgen Bartsch, welcher einzig und allein BETHLEHEM verkörpert) eigensinnige Wege. Die beiden Alben „Schatten aus der Alexander Welt“ (2001) und „Mein Weg“ (2004) hatten mit der ursprünglichen Mischung von Black Metal und Doom Metal, der Erschaffung des Dark Metals, nur noch bedingt etwas zu tun. Für viele Fans waren diese Werke gelinde gesagt schwierig, da völlig anders als alles bis dato dagewesene. Ich fand und finde jedoch beide Alben toll, vor allem die Doppel-CD-Version von „Schatten aus der Alexander Welt“ bescherte mir zahllose grandiose Stunden.

Nun ist zehn Jahre nach „Mein Weg“ ein neues Album erschienen. Mit „Hexakosioihexekontahexaphobia“ schließt Bartsch die 2001 mit „Schatten aus der Alexander Welt“ begonnene Trilogie. Da ist es nur logisch, dass Guido Meyer de Voltaire auch diesmal den Gesang übernahm. Sein stimmliches und gesangliches Können ist unbestritten, und so macht er auch diesmal wieder eine gute Figur, obgleich sein Gesang überwiegend klar und unverzerrt ist. Gesanglich geht „Hexakosioihexekontahexaphobia“ also wieder mehr in die Richtung von „Schatten aus der Alexander Welt“, wo es im Vergleich zu „Mein Weg“ ebenfalls wenig verzerrte und kraftvolle Gesänge gab. Überhaupt ist „Hexakosioihexekontahexaphobia“ ein recht ruhiges, ja schon nahezu beschauliches Werk. Während „Mein Weg“ teilweise in die Richtung von RAMMSTEINS Indudstrial Rock/Metal ging, ist „Hexakosioihexekontahexaphobia“ über weite, sehr weite Strecken ruhiger, melodischer Rock mit bizarren deutschen Texten. Dann und wann wird auch es mal härter unter es geht mit dem Lied „Spontaner Freitod“ gar in Richtung „Du sollst dich töten“ von „Sardonischer Untergang im Zeichen irreligiöser Darbietung“. Da schimmert dann die einstige Größe, der herrliche kauernde Wahnsinn kurzweilig auf. Doch auch hier erreichen BETHLEHEM nicht mehr ihre Genialität von früher.

Es hat den Anschein als sei bei Bartsch irgendwie die Luft raus. Die Atmosphäre ist nicht mehr so dicht und bizarr wie früher, auch die Melodien, ja es gibt großartige, geradezu geniale Melodien im Œuvre von BETHLEHEM, und im Jahr 2014 werden sie auch angedeutet, doch bleiben unerreicht. „Spontaner Freitod“ beginnt als Erinnering an „Sardonischer Untergang im Zeichen irreligiöser Darbietung“ und endet als Fortsetzungt von „Mein Weg“.

Lyrisch ist „Hexakosioihexekontahexaphobia“ ein interessantes, bizarres und skurriles Werk. Nicht immer ganz ernst, doch interessant und zum Anregen der Gehirnzellen allemal geeignet.

Wer sich, wie ich, die auf 250 Kopien limitierte Box bestellt hat, bekommt zum Digipak mit dem gewöhnlichen Album auch eine vier Lieder starke Bonus CD, die auf den Namen „Vergor’n im Spinnenmaul“ getauft wurde. Diese unterscheidet sich vom regulären Album deutlich, so sind hier als Gastsänger Onielar von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT (Schänderhuf) und Marco Kehren von DEINONYCHUS (Zitzenschlauch) zu hören. Das Lied „Schänderhuf“ ist drückender, düsterer und scheppernder Dark Metal, in dem düstere Gitarrenmelodien mit Onielars ruhig verzerrtem und leicht heiserem Gesang kombiniert wurden. Das Lied ist nicht wirklich hart, aber durch seine klangliche Rohheit und die düstere Melodik dennoch schwer und beklemmend. Das nachfolgende „Lochschwager“ wirkt wie eine Mischung von „Mein Weg“ und S.U.I.Z.I.D. Voltaire singt sowohl klar als auch verzerrt und er rollt sein r. Mit „Zitzenschlauch“ folgt dann eine Elektronummer, die man wohl als EBM oder Industrial bezeichnen kann. Es sind tanzbare Beats und düstere Harmonien zum gesprochenen und verzerrten Gesang von Marco Kehren zu hören. Hier schimmert wohl Bartschs Projekt STAHLMANTEL durch.
Für mich ist „Hexakosioihexekontahexaphobia“ leider enttäuschend und ernüchternd. Das Ende der Trilogie ist zugleich auch der schwächste Teil ebendieser. In seiner Gesamtheit ist mir das Album atmosphärisch und musikalisch zu harmlos, mir fehlt das gewisse Etwas, das betont Groteske und Bizarre. Dabei kann man sehr wohl Parallelen zu den ersten beiden Teilen der Trilogie erkennen, doch entfalten diese nicht mehr diese Vehemenz und Brillanz der früheren Werke. Die Luft ist einfach raus. Richtig schlecht ist „Hexakosioihexekontahexaphobia“ natürlich nicht, es ist einfach verdammt schwer die Größe und Genialität früherer Werke immer und immer wieder zu wiederholen. „Hexakosioihexekontahexaphobia“ ist nett. Doch wer will schon einfach nur ‚nett‘ sein?

Bethlehem – Hexakosioihexekontahexaphobia
2014 | Prophecy Productions
2CD | Dark Metal

CD1 Hexakosioihexekontahexaphobia
01. Ein Kettenwolf greint 13:11-18
02. Egon Erwin’s Mongo-Mumu
03. Verbracht in Plastiknacht
04. Gebor’n um zu versagen
05. Nazi Zombies mit Tourette-Syndrom
06. Spontaner Freitod
07. Warum wurdest du bloß solch ein Schwein?
08. Höchst alberner Wichs
09. Ich aß gern‘ Federn
10. Letale familiäre Insomnie
11. Kinski’s Cordycepsgemach
12. Antlitz eines Teilzeitfreaks

CD 2 Vergor’n im Spinnenmaul
1. Schänderhuf
2. Lochschwager
3. Zitzenschlauch
4. Fötenficker

https://www.facebook.com/bethlehemofficial

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