Blue Deers – A Little Low Dry Garret

Blue Deers - A Little Low Dry GarretBLUE DEERS aus Italien sind ein völlig unbekanntes Juwel der instrumentalen Musik. Bereits 2009 erschien „A Little Low Dry Garrett“, das erste und leider auch letzte Album, auf dem feinen, kleinen Underground-Label Trazeroeuno, welches in liebevoller Handarbeit Digipaks in Kleinstauflage publizierte. Trazeroeuno war ohnehin ein höchst interessantes Label für düstere und andersartige Musik. Betrieben wurde es von Tryfar, der auch für die Bands ASOFY und SLEEPING VILLAGE verantwortlich ist und nun mit Bruma ein neues Label unterhält. Weshalb sich BLUE DEERS auflösten, weiß ich nicht. Doch dieses großartige Album möchte ich euch nicht vorenthalten, zumal man es für schlappe drei Euro (zzgl. Porto) direkt bei Tryfar via Discogs ordern kann!

„A Little Low Dry Garrett“ ist ein kraftvolles und düsteres Album. Kraftvoll und düster ist es zu einem großen Anteil des rauen aber wunderbar organischen Klanges wegen. Die Saiteninstrumente sind zum Teil stark verzerrt und das Schlagzeug klingt sehr natürlich und dabei auch scheppernd. Dieses Klangbild gibt der instrumentalen Musik einen treibenden sowie krachenden Charakter, ich liebe diesen rohen (aber dennoch guten) Klang, da er das Düstere und teils auch Morbide perfekt transportiert.

Stilistisch ist das Schaffen der Italiener gar nicht so leicht zu beschreiben, da sie genreübergreifend musizieren und Rock mit Metal, Sludge, Stoner und psychedelischen Elementen vermischen. Rhythmisch als auch melodisch gibt es viel Abwechslung, wobei gerade harmonisch die bedrückenden und schweren Melodien das Klangbild bestimmen. Das Album ist aber nicht völlig beklemmend, es gibt immer wieder auch kurzweilige Stoner-Melodien die einen am Schopfe packen und durchrütteln. „A Little Low Dry Garrett“ ist keines jener instrumentalen Werke, welches für eine perfekte Produktion und malerische Schönheit steht. Im Gegenteil. BLUE DEERS arbeiten mit einer gewissen Hässlichkeit und gelegentlichen dreckig anmutenden Arrangements – da die Gitarren herrlich verzerrt und dröhnend schwingen.

Dabei sind die Melodien aber sehr wohl von einer Schönheit bewohnt, nur ist es keine auf Hochglanz und Gefälligkeit getrimmte Schönheit, sondern ein tiefgründiges Antlitz betörend beklemmender Klänge. Es gibt laute und harte Parts ebenso wie filigrane, melodische Inszenierungen, die durch behutsame und leise Arrangements bestechen. Das Album ist sehr vielseitig aber von Anfang bis Ende fesselnd und von einer unbeschreiblichen dichten und intensiven Atmosphäre beseelt.

Für mich ist es eines der besten und völlig unterbewerteten, da unbekannten, Instrumental-Alben. Deshalb dieses Review. Und wer sich für instrumentale Musik, gute Melodien und düstere Klänge interessiert, der kann die drei Euro kaum sinnvoller investieren!

Blue Deers – A Little Low Dry Garret
Trazeroeuno / Cuckold Productions
CDR | Instrumental Sludge

1. Etyope
2. …And Red and Black Mud
3. Sha Naqba Īmuru
4. Diane
5. Genista
6. Les Rats D’Oran (L’Été)
7. H

Bei Discogs kaufen

Nachtrag:
Habe gerade gesehen, auf Bandcamp kann man das Album auch digital für 2€ kaufen: https://bluedeers.bandcamp.com/album/a-little-low-dry-garret

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