Efterklang & Karsten Fundal – Leaves – The Colour Of Falling

Efterklang & Karsten Fundal - Leaves - The Colour Of FallingEigentlich wollte ich einen Verriss schreiben, einfach weil mir die Musik im ersten Anlauf überhaupt nicht gefiel. Doch was soll ich sagen? Vorsätze sind dazu da, um gebrochen zu werden. Ich bin zwar nach wie vor kein Fan der Oper, doch gibt es durchaus Parts und Arrangements, die mir wider Erwarten gefallen oder die ich zumindest interessant finde.

EFTERKLANG aus Kopenhagen machen seit Jahren sehr experimentelle und progressive Musik, die nicht nur in Dänemark sehr populär ist, und mir bisher völlig verborgen geblieben war. Das musikalische Fundament EFTERKLANGs ist im weiten Sinne wohl der Post Rock. Für das Anfang November erscheinende Album „Leaves – The Colour Of Falling“, welches EFTERKLANG gemeinsam mit Karsten Fundal komponierten und mit THE HAPPY HOPELESS OCHESTRA inszenierten, gehen sie in die Welt der Oper und Klassik. Im Sommer 2015 wurden sechszehn ausverkaufte Konzerte gegeben und nun meldet man sich mit dem dazugehörigen Album zurück.

Die Oper sowie die klassische Musik sind auf dem Album federführend. Anleihen des (Post) Rocks sind nur in homöopathischen Dosen zu vernehmen. Es gibt hier und da einen experimentellen Ansatz, insofern man heutzutage das Vermischen unterschiedlicher Genres und Stilelemente so nennen mag. Jedenfalls wurden vereinzelt ein Gitarrenpart oder etwas Electronica eingearbeitet – was mitunter zu sehr überraschenden und bizarren Momenten führen kann.

Die vielen Sänger und Instrumente sorgen für ein breites Spektrum an Stimmungen und immer wieder sind die typischen, überaus hohen Operngesänge zu hören, die mir unablässig den Zugang zur Musik versperrten. Egal um welche Oper es sich handelte, ich empfand diese hohen Arien der Frauen oder auch die melodischen und dramatischen Männergesänge als grässlich und störend. Nun ist hier eine hohe Gesangsvielfalt gegeben, so dass diese lauten und energischen Gesangsparts neben vielen anderen zu hören sind. Die ruhigeren Gesänge sagen mir wesentlich mehr zu, so gibt es durchaus die eine und andere Einlage, die ich zumindest interessant finde. In dem Stück „Stillborn“ ist zwar auch eine sehr hohe weibliche Stimme zu hören, doch ist der Gesang hier sehr ruhig und klar, er ist beinahe zerbrechlich und könnte mit dem Adjektiv engelsgleich wunderbar beschrieben werden.

Efterklang & The Happy Hopeless Orchestra – photo by Tine Reingaard

© Tine Reingaard

 

„Leaves – The Colour Of Falling“ ist aber nicht nur gesanglich und stimmlich überaus vielfältig, auch die instrumentale Inszenierung erweist sich als mannigfaltig. EFTERKLANG und THE HAPPY HOPELESS ORCHESTRA werden mich nicht zur Oper bekehren können, doch interessant ist die Musik allemal, obgleich ich mir einen höheren experimentellen Ansatz gewünscht hätte. Wer sich ein wenig für klassische Musik oder die Oper erwärmen kann, sollte diesem Album aber in jedem Fall eine Chance geben.

Efterklang /w Karsten Fundal & The Happy Hopeless Orchestra – Leaves – The Colour Of Falling
04.11.2016 | Klassik / Oper / Post Rock
Vinyl / CD / Digital | Tambourhinoceros

1 Cities of Glass
2 Imagery Of Perfection
3 Spider’s Web
4 The Colour not of Love
5 Leaves
6 Stillborn
7 Abyss
8 No Longer Me
9 Eye Of Growth
10 Wind

Gesang:
Lisbeth Balslev (Sopran)
Morten Grove Frandsen (Countertenor)
Katinka Fogh Vindelev (Soprano)
Nicolai Elsberg (Bass)
Casper Clausen (Efterklang)
Musiker:
Mads Brauer (Electronics, Efterklang)
Rasmus Stolberg (Bass, Efterklang)
Bjarke Mogensen (Akkordion)
Jenny Lüning (Bratsche)
Josefine Weber (Bratsche)
Marie Louise Lind (Cello)
Josefine Opsahl (Cello)
Ying-Hsueh Chen (Perkussion)
Sara Nigard Rosendal (Perkussion)
Michael Min Knudsen (Harmonium, Celesta)

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