Feral / Debutante – Split

Debutante / Feral - SplitFaszinierend und doch auch frustrierend zugleich. So in etwa stellt sich die Split EP der beiden Solokünstler FERAL aus Leeds und DEBUTANTE aus Zürich dar. Sowohl musikalisch als auch thematisch gibt es hier keine leichte Kost für den schnellen Zwischendurchverzehr.

Den Anfang macht FERAL, der mit zwei relativ kurzen, dafür aber überaus unterschiedlichen Stücken vertreten ist. Das erste Stück „What’s The Worst Could Happen?“ ist ein düsteres Noise-Industrial-Ambient-Gemisch, auf das die Post-Punk-Nummer „Cry Yourself To The Hanging“ folgt. Die Unterschiede könnten kaum größer sein.
Beide Lieder haben etwas für sich, sind sie doch authentisch und ansprechend. Das dunkle Elektrostück erinnert mich an obskure Projekte wie Mama Baer oder HAUS ARAFNA, während das Post-Rock-Stück mich in Teilen an Bands wie HAVE A NICE DAY, BAUHAUS oder JOY DIVISION erinnert. Elegisch, introvertiert und depressiv. So präsentiert sich FERAL auf dieser Split-EP.

Mit DEBUTANTE geht es nicht freundlicher weiter. Inhaltlich beschäftigt sich der Musiker mit den Themen Körperselbsthass und Dysphorie. Zwei schwerwiegenden Störungen, die sich auch musikalisch niederschlagen und einen entsprechenden missgestimmten Ausdruck mitbringen.
DEBUTANTE selbst beschreibt seinen Stil als Drone Pop. Was anfänglich eher als Scherz gedacht war, nahm immer mehr Gestalt an und manifestiert sich nun in seinem Lied „No Mirrors“, das eine zwölfminütige Schleife aus Gleichförmigkeit, Shoegaze, Post-Punk und der einen und anderen Schippe anderer Genres ist. In jedem Fall ist „No Mirrors“ bedrückend, beklemmend und schwer.
Die Verschmelzung von seinem entrückten und aus der Ferne kommenden Gesang mit Akustikgitarre, unauffälligen Synthesizern und viel Hall wirkt sehr lakonisch, gleichzeitig aber auch rau, was dem Klang der Gitarre zuzuschreiben ist. Das Ganze ist irgendwie minimalistisch und gleichförmig, aber durchaus einer langsam schwelenden Veränderung unterworfen, die auch lärmende und energische Elemente einbringt. Irgendwie seltsam, vor allem des relativ leisen Gesanges wegen, aber auch anrührend, mysteriös und spannungsgeladen.

Diese Split-EP dürfte sicherlich Anhänger der depressiven Klangkünste ansprechen, doch nicht nur. FERAL und DEBUTANTE liefern hier mehr als nur schnödes Futter für die Zurückgebliebenen und Vergessenen. Die musikalischen Darbietungen sind eigensinnig, überraschend und auf eine angenehm schrullige Art liebenswürdig. Eine tolle Klein- und Eigenproduktion, die es via Bandcamp zu beziehen gibt.

Feral / Debutante – Split
2017 | Noise, Post Punk, Drone Pop
Digital | Eigenproduktion

1. Feral – What’s The Worst Could Happen?
2. Feral – Cry Yourself To The Hanging
3. Debutante – No Mirrors

https://www.facebook.com/debutantemusic | https://twitter.com/rhetoricsff
https://www.facebook.com/IsolationistFeral/ | https://speaknoevil.bandcamp.com/ | https://soundcloud.com/will-wadforth

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