Feral Kizzy – Slick Little Girl

Feral Kizzy - Slick Little Girl„Slick Little Girl“ ist mal wieder eine jener Scheiben, die bei jedem Hörer und Rezensenten ganz unterschiedliche Assoziationen wecken dürfte. Gerade Letztere könnten sich aufgefordert fühlen, seitenlange Expertisen zu verfassen. Denn FERAL KIZZY aus Kalifornien verewigten auf ihrem Debütalbum ein Stück Musik voller Reminiszenzen – ein gefundenes Futter für jeden Kenner der Musikgeschichte, kann man doch mit seinem Wissen glänzen. Jedenfalls ist es so, dass FERAL KIZZY Musik machen, die Pop mit New Wave, Post Punk, Rock und vielem mehr vermischt. Dabei streifen die Kalifornier viele bekannte und unbekannte Gruppen, die man auf „Slick Little Girl“ wiederfinden kann oder auch nicht. Dem Namedropping will ich mich nicht anschließen, weshalb ich meine Kritik einfach auf die dargebotene Musik beschränken werde.

Das Album ist überaus vielgestaltig und detailverliebt. FERAL KIZZY arrangieren ihre Kompositionen einerseits geradlinig und dezent, andererseits forcieren sie aber auch eine komplexe Klangarchitektur in der unbeschreiblich viele Stile verschmelzen. Im Zentrum des Geschehens steht Sängerin Kizzy Kirk, deren Stimmbänder sowohl den röhrenden Rock als auch das Leise und Gefühlvolle beherrschen. Doch nicht nur ihre Art zu singen gefällt, auch die Klangfarbe ihrer Stimme ist reizvoll, da kraftvoll, etwas rau und dunkel und alles andere als dünn und brüchig.

Rund um ihren Gesang breiten FERAL KIZZY klangewaltige Kompositionen aus, die dunkle poppige Arrangements mit wilden und punkigen Ausbrüchen verbinden. Es gibt geradlinige und eingängige Gitarrenläufe, die unverbindlich und verträumt zugleich sind. Woanders wabert eine warme Basslinie durch den Raum, die Tiefe und Geborgenheit vermittelt und wieder woanders packt man dann die Orgel aus, was für eine lebendige und wilde Atmosphäre sorgt.

„Slick Little Girl“ ist ein sehr stimmungsvolles Album voller Nuancen. FERAL KIZZY können mit ruhigen Liedern eine dunkle und sehnsüchtige Atmosphäre ebenso verbreiten wie mit rockigen und punkigen Ausbrüchen eine dynamische und laute Lebendigkeit. Mir gefällt dieses Wechselspiel sehr gut, da es durch die klugen und wohlüberlegten Strukturen überaus homogen und gar nicht vertrackt wirkt. Gelegentlich kommen auch Retro-Klänge vom Keyboard oder Cello und Violine zum Einsatz, was alles perfekt aufeinander abgestimmt wurde. Nichts wirkt fehlplatziert, alles macht einen unerhört runden und stimmigen Eindruck.

Nachdem ich mir das Album nun einige Male angehört habe, bin ich noch immer über die Vielzahl an Einflüssen und Stilen verwundert. Ich kann gar nicht genau sagen, ob nun poppiger Rock oder vom New Wave beeinflusster Post Punk oder doch der Grunge oder die eine und andere Blues-Note das Album so besonders machen. „Slick Little Girl“ ist einfach ein unerhört intensives Album auf dem es viel zu entdecken gibt. Jeder wird etwas Anderes für sich darin finden, und ich denke, besser kann man ein Album eigentlich nicht machen. Letztlich ist es auch egal, solange man sich auf FERAL KIZZY und „Slick Little Girl“ einlässt. Es ist ein tolles, vielgestaltiges Album welches mit jedem Durchlauf besser wird. Lieder, die beim ersten und zweiten Durchgang noch etwas blass und farblos waren, entfesseln beim dritten Durchlauf plötzlich ihr volles Potenzial und offenbaren sich als pure Knaller denen man sich dann nicht mehr zur Wehr setzen kann.

Fazit: Überragend mit der Aussicht Platte des Jahres zu werden!

Feral Kizzy – Slick Little Girl
2015 | Dark Pop / New Wave
CD / Vinyl / Tape/ Digital | eliterecords

1. Lapdog Apparition
2. Community Service
3. The Way We Are
4. Sally And The Emcee
5. Lament
6. Live Associates
7. Not My Mind
8. The Dinosaur
9. The Skin Is Thick
10. What Are You Doing?

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