Gabriel Hibert – Abducté

Gabriel Hibert - AbductéWenn Klangforscher musizieren, ist für sie der Entstehungs- und Aufnahmeprozess sicherlich aufregend und interessant. Für den Zuhörer gilt dies nicht immer. Im Falle von Gabriel Hibert und seinem aktuellen Album „Abducté“ trifft dies für die Meisten bestimmt zu. Hibert, Komponist und Multiinstrumentalist, experimentiert mit Klängen und erschafft dabei unkonventionelle Arrangements, die sich der traditionellen Musiklehre entziehen.

Seine Klanglandschaften bewegen sich irgendwo in einem lockeren Verbund aus Noise, Industrial, Ambient und Drone. Während er am Schlagzeug sitzt und darauf spielt, sampelt er sich mit einem Pedal selbst. Die weitgehend instrumentalen Stücke sind aber nicht durchgängig so abstrakt, komplex und verschachtelt, wie man jetzt vielleicht glauben mag. Auf „Abducté“ ließen sich spürbare harmonische und melodische Elemente nieder, so entstanden dann mitunter sphärische Ambientkulissen mit Entspannungsfaktor, die man der Schublade cinematic sortieren kann.

Dem gegenüber stehen hässliche und lärmende Stücke, deren monotoner und bisweilen bizarrer Noise gar jazzige Untertöne aufweist („Matière“). Gelegentlich reicherte Hibert solche Klanggrotesken aus Noise und Industrial auch mit effektbehandelten Stimmen an, was die Stücke (etwa „Guirlandes“) mitunter angenehm schräg und sonderbar macht. Solche markanten und morbiden Arrangements gefallen mir durchaus, zumal Hibert interessante Ansätze liefert. Ich finde die Idee gut, das hässliche Gemisch aus Noise und Industrial mit subtilen, kaum wahrnehmbaren Jazz-Elementen anzureichern.

Gabriel Hibert
© Hazam Modoff

„Abducté“ ist ein sperriges und sonderbares Album. Es wird vielen nicht zusagen, auch ich habe so meine Schwierigkeiten damit. Aber es gibt auch Stücke und Momente, die mir gut gefallen. Mein Problem mit dem Album ist seine Ambivalenz. Einerseits grotesk, düster und hässlich, andererseits aber auch harmonisch und auf Wohlklang bedacht. Kann man machen, muss aber nicht jeder gut finden, interessant ist es allemal. Wer sich für polymorphe Klangforschermusik interessiert, ist hiermit womöglich gut beraten.

Gabriel Hibert – Abducté
2017 | Experimentell
Digital | Atypeek Music

1. Griserie
2. Guirlandes
3. Uranus
4. Acariens
5. Pianoté
6. Matière
7. Matrices
8. Inertie
9. Nimbus

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