Halma – Granular

Halma - GranularAm 23. Oktober ist es soweit, denn dann wird das sechste Album des Hamburger Quartetts HALMA erscheinen. Seit 2000 komponieren HALMA instrumentalen Rock und erspielten sich bei Liebhabern einen Namen. Das Cover von „Granular“ ziert der Komet Tschurjumow-Gerassimenko, womit schon ein wenig angedeutet wird, was es hier zu hören gibt. HALMA spielen ruhige und sphärische Instrumentalmusik, die häufig nicht von dieser Welt zu sein scheint.

„Granular“ wird mit dem Stück „Deep White“, welches das zugänglichste Lied des Albums ist, relativ laut, energisch und impulsiv eröffnet. Wobei das Adjektiv laut womöglich irreführend ist, denn wirklich laut, im Sinne von einer hohen Lautstärke, werden HALMA eigentlich nie. Den vier Hamburgern steht der Sinn eher nach durchdachten sphärischen Klanglandschaften, die gerne etwas Tranceartiges und Beruhigendes haben. Mich erinnert das Bassspiel von Anna Bertemann mehr als einmal an CAUDALS Meisterwerk „Ascension“. CAUDAL bezeichnen ihren Stil als ‚Trancepunk‘, was nicht ganz abwegig ist, wenn man metaphorisch an  Tschurjumow-Gerassimenko denkt. Aber nun zurück zu „Deep White“. Das Lied beginnt leise, steigert seine Intensität und Lautstärke aber zunehmend und verdichtet sich so zu einer eindringlichen und fesselnden Euphonie. Mir gefiel „Deep White“ auf Anhieb, da die Melodien und die wunderbar klingenden Saiteninstrumente einen regelrechten Sog entwickeln.

Nach dem eindringlichen und kraftvollen „Deep White“ entführen HALMA den Hörer mit „Sediment“ weit hinaus ins All, vielleicht dorthin, woher Tschurjumow-Gerassimenko stammt. Es ist eine ruhige und entspannende aber zugleich auch eine leicht nebulöse Stimmung, die sich mit „Sediment“ ausbreitet, nicht zuletzt auch der leisen Sprachsamples wegen, die zunächst etwas irritieren und unheimlich aus den Lautsprechern wabern. Letztlich entpuppt sich „Sediment“ schließlich als ein dezentes Stück Musik, mit wunderbaren, sehr zurückgenommenen Melodien, was fast schon intim wirkt.

HALMA verharren auf „Granular“ aber nicht ausnahmslos in einem kosmischen Trance-Zustand, der sanfte Harmonien und repetitive Melodien speit. Vereinzelt, dezent und kurzweilig gibt es auflebende und ausbrechende Melodien, die ob ihrer lebendigen Charakteristik ein wenig an Stoner Rock erinnern können. Das sind kurze aber ausdrucksstarke Farbtupfer, mit denen HALMA markante Kontrastpunkte setzen, die das homogene Erscheinungsbild von „Granular“ gekonnt aufbrechen.

Halma„Granular“ ist ein sehr gewachsen wirkendes Werk, welches ohne flackernde Melodien und ekstatische Ausbrüche auskommt. HALMA setzen nicht auf Effekthascherei, stattdessen servieren sie Musik für Liebhaber gepflegter Instrumentalmusik. „Granular“ ist ein sehr unaufgeregtes Album für das man durchaus mehrere Durchgänge braucht. Doch wenn man sich auf „Granular“ einlässt, wenn man den Arrangements und Kompositionen Zeit und Luft lässt, erhält man Zugang zum Kosmos von HALMA und „Granular“, Schicht für Schicht trägt sich die Hülle ab, ähnlich wie bei einem Kometen der sich der Sonne nähert, bis sich letztlich das Innere prachtvoll und glänzend offenbart.

Es ist aber nicht nur die Musik, mit der HALMA überzeugen. Es sind auch die Instrumente als solche und die Produktion, die „Granular“ so hörenswert machen. Mir persönlich gefällt vor allem der großartige Klang von Bassgitarre und Baritongitarre. Deren Töne und Melodien verleihen der musikalischen Darbietung eine ganz besondere Schärfe und Tiefe, sie formen einen warmen und energetischen Wohlklang.

Und nun zum Fazit: „Granular“ ist im Grunde eine Pflichtveranstaltung für jeden, der sich ernsthaft mit Instrumentalmusik beschäftigt. HALMA überzeugen auf ganzer Linie und sie wissen was sie tun. „Granular“ ist ein absolut durchdachtes und stimmiges Album, auf dem jeder Ton, jeder Takt und jeder Schieber und Regler am Mischpult perfekt sitzt.

Halma – Granulat, 
2015 | Instrumental Rock
Vinyl / CD / Digital | Kapität Platte

1. Deep White
2. Sediment
3. Riverbed
4. Mud Mound
5. Dirt Devils
6. Crooning Dune

http://www.halma-music.com/
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https://halma.bandcamp.com/
http://kapitaen-platte.de/

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