Herscher – Herscher

Herscher - HerscherNach zwei EPs 2010 und 2012 hat das französische Trio HERSCHER in Eigenregie dieses Debütalbum auf Vinyl und digital veröffentlicht. Mit dem Opener beginnen HERSCHER so, als hätten sie „Variations On A Theme“ von OM zu oft gehört. „Old Lands“ klingt in seiner Anfangsphase wirklich wie eine dreckige Stoner-Doom-Mischung aus SLEEPs „Jerusalem“ und OMs besagtem Album. Erst mit dem Gesang verflüchtigt sich dieser Eindruck zunehmend.

Doch was als Stoner-Doom-Erweckung beginnt, entpuppt sich flugs als bedrückender und schwerer Drone Doom. HERSCHER verbinden auf ihrem Debütalbum eine instrumentale Schwere mit dröhnender Monotonie sowie dezenten Ausflügen ins Obskure und Psychedelische. Während „Old Lands“, wie bereits geschrieben, recht stonerartig beginnt, wandelt sich das Lied zu einem kraftvollen Death-Doom-Batzen, der mich in seiner Eindringlichkeit und Stimmung ein wenig an Bands wie OPHIS erinnert.

Ganz anders präsentieren sich HERSCHER in „Skull’s River“. Das Lied ist extrem minimalistisch. Die tief tönenden Gitarren geben, rau und kratzend klingend, eine überaus monotone Melodie zum Besten, die von einem radikal reduzierten Schlagzeug begleitet wird. Einen echten Rhythmus gibt es nicht, stattdessen sind die Becken intervallartig zu hören, dann und wann werden auch mal kurz die Felle der Trommeln bedient. „Skull’s River“ ist ein unheimlich wirkendes Lied, welches ich sehr interessant finde, gerade weil das Schlagzeug einen zunächst sehr reduzierten Einsatz aufweist, der mich ein wenig an ein Konzert erinnert. Konzerte beginnen häufig auf diese Art und Weise. Die Bühne ist dunkel und es werden als Einleitung und Einstimmung die Saiten ins Schwingen gebracht während der Schlagzeuger dazu ein Soli spielt, welches anfänglich langsam und sporadisch ist, sich zunehmend verdichtet und schneller wird, bis das Lied oder der Auftritt richtig beginnt. „Skull’s River“ funktioniert nach demselben Schema. Minimalistisch aber verdammt gut.

Mit dem Rauschmeißer „Bandana“ präsentieren HERSCHER eine ganz andere Seite. Das Lied ist mit dreieinhalb Minuten das kürzeste und auch schnellste. Der Rhythmus ist flott und treibend, die tiefgestimmten Saiten schwingen bedrohlich und lärmend und es bricht partiell eine obskure Atmosphäre auf, die mich an UFOMAMMUT denken lässt. Mit „Bandana“ wird man am Schopfe gepackt und unsanft hinaus geworfen, wunderbar.

HERSCHER zeigen auf ihrem Debütalbum ein heterogenes Bild von sich. Die Einflüsse und Stile die man heraushören kann sind sehr unterschiedlich. Es gibt melodische Anleihen des Stoner, es gibt düstere Sphärenklänge die es obskur und psychedelisch werden lassen und es gibt Monotonie und Drone. Insgesamt betrachtet spielen HERSCHER in jedem Fall bleischweren Doom. Der Klang ist satt und reich an tiefen Bässen. Allerdings habe ich ein wenig den Eindruck als würden HERSCHER ihren Weg noch nicht ganz gefunden haben. Es ist ein gelungenes Debütalbum mit sehr interessanten Ansätzen und einem mörderischen Klang, doch etwas mehr Homogenität würde die Sache womöglich zugänglicher machen. Aber hört es euch doch einfach selbst an, neben dem Vinyl gibt es das Ganze auch als Name-Your-Price-Download.

Herscher – Herscher
2015 | Drone / Doom
Vinyl / Digital | Eigenproduktion

1. Old Lands
2. Apocatastase
3. Electric Path
4. Skull’s River
5. Pétron
6. Bandana

http://herscherdoom.com/
https://www.facebook.com/Herscher-141091659267053/
https://herscher.bandcamp.com/

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