In The Woods… – Pure

In The Woods… - PureEigentlich wollte ich keine Rezension über das neue Album von IN THE WOODS… schreiben. Ich wusste ja, dass die meisterliche Klasse der alten Alben unerreicht bleiben würde. Doch nachdem ich ausschließlich überaus positive Rezensionen zu lesen bekam, und ich aushalten musste wie „Pure“ überall abgefeiert wird als gäbe es nichts Besseres in diesem Universum, sah ich mich gezwungen, doch ein paar Zeilen zu schreiben.

Es gibt ja tatsächlich Leute (und auch Rezensenten) die von IN THE WOODS… noch nie Musik gehört haben, für die „Pure“ die erste Begegnung mit den Norwegern ist. Nun, dafür können diese armen Menschenkinder nichts, aber da muss man einschreiten, Rückgrat beweisen und Haltung annehmen. Man kann IN THE WOODS… doch nicht mit TIAMAT oder MY DYING BRIDE vergleichen!

IN THE WOODS… wurden im Frühling 1991 gegründet und 1993 erschien die erste Demo-Kassette. Es war die große Zeit des norwegischen Black Metals. DARKTHRONE waren dabei sich vom Death Metal zu verabschieden und sich dem Black Metal zuzuwenden. EMPEROR, IMMORTAL und BURZUM gründeten sich gerade oder waren drauf und dran ebenfalls ihre Debüts zu veröffentlichen. In jene bewegten Zeiten gehören auch IN THE WOODS…. Sie sind definitiv ein wichtiger Bestandteil der norwegischen Black-Metal-Geschichte.

Auf ihrer ersten Demo „Isle Of Men“ spielten sie noch richtigen Black Metal, der jedoch schon einen gehörigen Anteil atmosphärischer und melodischer Elemente in sich barg. Es gab aber auch sehr harsche Parts, besonders eindringlich und heftig war der Kreischgesang. 1995 erschien dann das Debütalbum „HEart Of The Ages“, auf dem viele Lieder der Demo überarbeitet zurück kamen. Die Black-Metal-Wurzeln waren noch eindeutig vorhanden, allerdings deutete sich die Offenheit und Begeisterung für Experimente und stilfremde Spielereien an. Es gilt nicht umsonst als ein Meisterwerk. Auch die beiden nachfolgenden Alben „Omnio (1997) und „Strange In Stereo“ (1999) gelten als Meisterwerke des Progressiven Metals und der Avantgarde. Im Jahr 2000 folgte dann die Stillegung und IN THE WOODS… lösten sich auf. Im Jahr 2014 kam es dann, wie es so oft kommt: Die zu Grabe getragene Band wurde reanimiert. Bis auf den Sänger ist sogar das Original-Line-Up auf „Pure“ zu hören.

IN THE WOODS… haben zwar nur drei Alben veröffentlicht, doch diese sind allesamt Meilensteine des Metals (respektive Rocks). IN THE WOODS… präsentierten sich auf jedem Album anders, verändert, evolutionär. Sie hatten trotzdem ihre eigene Klangcharakteristik, ihren ureigenen Sound, einen hohen Wiedererkennungswert – woran unter anderem auch der Sänger Jan Transit maßgeblich beteiligt war. Er war immerhin der erste Sänger, dessen Klargesang ich im (Black) Metal akzeptierte. Er wusste seine Stimme geschickt und pointiert einzusetzen.

In zwei Tagen ist es also soweit, dann wird „Pure“ zu haben sein. Siebzehn Jahre nach „Strange In Stereo“. Das vierte Album unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängern. Differenz ist ja eine Konstante, aber die Änderungen sind diesmal nicht besonders vorteilhaft. Dass Jan Transit fehlt macht sich schmerzhaft bemerkbar. Sein Nachfolger James Fogarty kann die Lücke schlicht nicht füllen, nicht mal ansatzweise und nicht mit Wohlwollen. Aber auch sonst missfällt mir „Pure“.

In The Woods... (Band)Es fühlt sich irgendwie so an, als würde man „Omnio“ und „Strange In Stereo“ mit KATATONIA (mittlere Epoche) kreuzen wollen. Dabei werden ebendiese Alben ab und zu mit einer Reminiszenz bedacht, man bedient sich einfach einem Arrangement welches ebendort schon zu hören war. Man recycelt sich sozusagen selbst und stillt damit die alten Fans, während man neue Hörerschichten erschließt.

Wer IN THE WOODS… bisher noch nicht kennt, der könnte durchaus Gefallen an „Pure“ finden, ist es doch gefühlvoller Prog Rock, der vor allem mit seinen melodischen und ruhigen Darbietungen zu gefallen weiß. Wen wundert es da, dass mir das lange Instrumentalstück am besten gefällt? Ich kann „Pure“ aber nur subjektiv beschreiben, weshalb man mir diese Polemik verzeihen möge. Aber Musik bedeutet automatisch auch subjektive Wahrnehmung. Ich liebe und verehre die drei IN THE WOODS…-Alben, weshalb mir „Pure“ nur ein gelangweiltes Gähnen entlockt. Sie hätten sich einfach nicht wiederbeleben sollen. Aber so ist es mit den sogenannten „Reunions“ ja eigentlich immer.

In The Woods… – Pure
16.09.2016 | Prog Metal
LP / CD / Digital | Debemur Morti Productions

1. Pure
2. Blue Oceans Rise (Like A War)
3. Devil’s At The Door
4. The Recalcitrant Protagonist
5. The Cave Of Dreams
6. Cult Of Shining Stars
7. Towards The Black Surreal
8. Transmission KRS
9. This Dark Dream
10. Mystery Of The Constellations

James Fogarty – Gesang, Gitarren, Keyboards
X-Botteri – Gitarren
C:M Botteri – Bass
Anders Kobro – Schlagzeug

https://www.facebook.com/inthewoodsomnio/
http://www.debemur-morti.com/ | https://www.facebook.com/debemurmorti

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