Kadavar – Abra Kadavar

Kadavar - Abra KadavarDas Berliner Trio KADAVAR ist sympathisch, dies steht hier nicht zur Debatte. Erst im zurückliegendem Jahr veröffentlichten sie das selbstbetitelte Album; dezent und unauffällig in Namenswahl als auch beim gewählten Label. Das Debütalbum war ohne Zweifel ein großartiges Werk, es gelang KADAVAR, eine ganz spezielle Atmosphäre der 60iger und 70iger zu kommunizieren, die erfrischend und authentisch zugleich wirkte. Um die Band entstand innerhalb kürzester Zeit ein regelrechter Hype, der noch immer anhält. Das Debütalbum lebt noch immer: Es erscheinen zahllose Nachpressungen, die Scheiben verkaufen sich wie warme Semmeln. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2013 und mit Abra Kadavar ist, nach kurzer Zeit, das zweite Langeisen erschienen. Aber nicht auf einer kleinen Plattenschmiede wie das Debüt, sondern über ein riesiges Majorlabel, welches eigentlich vornehmlich Death-, Heavy- und Thrash-Metal sowie eine bisschen Black Metal verlegt. Aber das Label besitzt ein Näschen für kommerziell gut vermarktbare Bands. Der Erfolg von KADAVAR ist einfach gigantisch und das Debütalbum ist auch verdammt gut, dies kann sich keine Firma entgehen lassen. Der Erfolg KADFAVARS ist fast schon zu groß…

Denn mit dem doch irgendwie unbekümmert und frei wirkenden Debütalbum haben KADAVAR losgelöst von jeglicher Erwartungshaltung und fernab jedem Erwartungsdrucks ein Album aus dem Ärmel geschüttelt, welches meisterlich ist. Damit haben sie die Messlatte unwahrscheinlich hoch gelegt, im Grunde viel zu hoch gelegt. Verglichen mit dem Debüt ist Abra Kadavar enttäuschend, was eigentlich auch gar nicht weiter verwundern darf. Das Debüt ist einfach ein „zufällig“ entstandenes Überalbum, welches man einfach nicht wiederholen oder toppen kann. Schlecht ist Abra Kadavar deshalb bei weitem nicht, nur kommt es atmosphärisch einfach nicht an das Debüt heran. Die Gitarre klingt nicht ganz so verrucht, nicht ganz so aussagekräftig, nicht ganz so dreckig und jegliche Gedanken wegfegend…, wie eine Mischung aus gequälten BLACK SABBATH, PENTAGRAM und JIMI HENDRIX. Die dreckigen Soli, die mitreißend und zupackend waren, fehlen. KADAVAR machen natürlich noch immer ihren retrospektiven Rock, der Psychedelik mit den 70igern, Doom, Heavy Metal und einer Prise Okkult kombiniert. Etwas anderes konnte man auch gar nicht erwarten, zwischen beiden Alben liegt gerade mal ein Jahr und KADAVAR waren zwischendurch auf Welttournee, haben zig Konzerte und Festivals bespielt und mal so eben nebenbei ein Album geschrieben und eingespielt, das geht natürlich an die Substanz und macht sich auch beim Material bemerkbar.

Abra Kadavar ist keine schlechte Scheibe, KADAVAR haben es ganz sicher drauf, doch die Brillanz, das Frische des Debüts konnten sie dieses Mal leider nicht wiederholen. Spaß macht das Berliner Trio aber trotzdem, live sind sie sehr überzeugend und on Stage kommt das Schlagwerk wesentlich besser zur Geltung als auf Scheibe – ich war wahrlich erstaunt! Nur darf man nicht zu viel von Abra Kadavar erwarten, sonst ist die Enttäuschung groß.

Kadavar – Abra Kadavar
Retro / Psychedelic Rock
2013
CD / Vinyl
Nuclear Blast

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