Kapitan Korsakov – Physical Violence Is The Least Of My Priorities

Kapitan Korsakov - Physical Violence Is The Last Of My PrioritiesDas belgische Trio KAPITAN KORSAKOV lässt sich mit der Veröffentlichung neuer Alben Zeit, sind doch seit dem letzten Werk vier Jahre verstrichen. In wenigen Tagen lassen die Drei ihr drittes Album los, welches auf den recht sperrigen Namen „Physical Violence Is The Least Of My Priorities“ hört. Das ist ein etwas ungewöhnlicher und irritierender Albumname, weil die Musik nicht immer friedliebend, sondern oftmals laut, harsch und aggressiv ist.

Bei KAPITAN KORSAKOV steht man aber wohl auf Finten, humorvolle Irritationen und Gegensätze, anders lässt sich die atmosphärische und stilistische Vielfalt kaum erklären. Mit dem Opener „Caramelle“ beginnt das Album jedenfalls überraschend poppig, melodisch und zahm. Allerdings deuten sich hier schon dunkle Anwandlungen in der Form subtiler Melodien an. Zunächst geht es mit „Suicide Limp“ aber poppig weiter, wobei mich die mit Effekten verfremdete Stimme total abnervt. Das ist so ein Effekt, den man auch häufig im Radio hört, was sehr schade ist, da mir der musikalische Unterbau des Liedes ansonsten gut gefällt.

Nun ja. Nach zwei etwas verniedlichten Anfangsstücken – eigentlich ist es bizarrer Bandhumor der Pop mit Dunkelheit verbindet – legen KAPITAN KORSAKOV mit dem dritten Stück richtig los, und fortan erweist sich das Album als ein cooles Gemisch aus Noise und (Post) Punk, so genau kann man das nicht sagen. Jedenfalls sind die verbleibenden Lieder eine unterhaltsame und packende Verschmelzung verschiedenster negativer Adjektive. Wenn man sich mit den relativ poppigen Arrangements des Anfangs anfreundete, könnte einem der laute Kreischgesang in „Spitting Over The Edge Together“ schon ins Mark schießen.

Hernach geht es mit dem vorwiegend instrumental gehaltenen „Rabid Ghawazi Shuffle“ postmetallisch, dunkel und beklemmend weiter. Solche postmetallische Düsternis brach sich bereits früher Bahn, doch hier treiben es KAPITAN KORSAKOV vorbildlich auf die Spitze. Mir gefällt das Lied richtig gut, und wenn dann zum Ende hin noch etwas wild rumgeschrien und gekeift wird, weiß ich, dass dies ein wirklich gutes Album sein muss.

„Physical Violence Is The Least Of My Priorities“ ist ein sehr vielgestaltiges Werk. Teilweise wird es wirklich sehr dreckig, garstig und harsch, andernorts umgarnt das Trio den Hörer mit wohligen Melodien und einer bittersüßen Schwermut. Das Album wankt zwischen Kontrasten und Gegensätzen, es handelt sich hierbei quasi um eine Achterbahnfahrt der Gefühle – stets mit einem Augenzwinkern und ironischen Unterton. KAPITAN KORSAKOV hinterlassen in mir die Erkenntnis, dass sie nur das machen, worauf sie wirklich Bock haben. Dies erklärt auch die Grenzen sprengende, beinahe schon nihilistisch anmutende Vielfalt. Jedenfalls bekommt man nicht oft Pop, Punk, Alternative und Metal in einer Darbietung feilgeboten.

Kapitan Korsakov
© Anton Coene

Mich hat das belgische Trio jedenfalls überzeugen können und so wundert es auch nicht, dass die belgische Qualitätszeitung „De Standaard“ das komplette Album in seiner Onlineausgabe streamt. Also: Ohren und Augen aufgesperrt und das Album unbedingt kaufen! Eine Tour ist in Planung und sobald die Termine feststehen, werden sie nachgereicht.

Kapitan Korsakov – Physical Violence Is The Least Of My Priorities
04.11.2016 | Noise Rock
Vinyl / CD / Digital | KKK Records

1. Caramelle
2. Suicide Limp
3. Spitting Over The Edge Together
4. Rabid Ghawazi Shuffle
5. Hearts Too Hard
6. Strobo Stripper
7. Pussy Scars
8. Midnight Gardens
9. Very Friendly Fire

Pieter-Paul Devos – Gesang, Gitarren
Pieter Van Mullem – Bass
Sigfried Burroughs – Schlagzeug, Piano

http://www.kapitankorsakov.net/HOME.html | https://www.facebook.com/kapitankorsakovband/ | http://kapitankorsakov.bigcartel.com/

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