Kerretta – Pirohia

Kerretta - PirohiaEs gibt kaum ein musikalisches Genre welches in den letzten Jahren so breit ausgetreten wurde wie der instrumentale Rock. So gesehen stellen KERRETTA aus Neuseeland bei weitem keine Ausnahme dar. Mit „Pirohia“ ist inzwischen das dritte Album erschienen und trotz des Makels in einem überfischten Gewässer auf Fang zu gehen, gelingt es KERRETTA auf Anhieb mit dem neuen Album in den Bann zu ziehen.

Von Anfang an gelang es KERRETTA nämlich, mich mit dem überaus energiegeladenen, kräftigen und klaren Klang für sich zu vereinnahmen. Dies wird bereits mit dem eher ruhigen und melodischen Einstieg von „Ossein Trail“ deutlich. Hier sind zunächst sphärische semi-akustische Gitarren zu hören, die eine Mischung aus Gefrickel und in sich gekehrten Post-Rock mit Shoegaze-Avanzen darstellen. So weit, so gewöhnlich. Doch dann kommen mächtige und bebende Riffs, Rhythmus und Schlagwerk hinzu und aus der emotionalen Frickelei wird hochgradig energetischer Rock, der zupackende Härte mit Lärm und Eigenwilligkeit kombiniert. Mich fasziniert dieser Einstieg ins Album so sehr, weil ich die Kontraste und Gegensätze so interessant und vielsagend empfinde. „Ossein Trail“ ist fünfeinhalb Minuten lang und beinhaltet so viele spielerische und atmosphärische Details, was manch eine Band nicht mal auf einem kompletten Album hin bekommt.

KERRETTA schaffen es großartig, sphärische Melodien, die entspannend und sanft wirken mit doomiger Härte und der Kantigkeit des Noise Rocks zu vermischen. So sind immer wieder sphärische Melodien zu hören, die das Weite eines endlosen Horizonts beschwören und ins Psychedelische abgleiten. An diesen Stellen wirken KERRETTA wie ein klassischer Post-Rock-Vertreter, der selbstvergessen die Gitarre zupft – allerdings auf Weltklasseniveau. Doch dabei bleibt es nicht, denn es gibt auch viele laute und überaus kraftvolle Parts, in denen Noise Rock und Sludge durchbrechen und mit schwungvollen Riffs und bebenden Basslinien alles zum Bersten bringen.

Diese spielerische und zugleich auch klangliche Dynamik ist ein wesentliches und überragendes Merkmal von „Pirohia“. KERRETTA decken ein verdammt breites Spektrum ab und spielen mit diametralen Elementen, die sich geschickt gegenseitig auflösen. Die Vielfalt der unzähligen Abstufungen und Zwischenzustände ist beeindruckend. Laut und leise, sanft und hart, entspannend und kompliziert, das alles ist „Pirohia“. Entweder zeitgleich auf einmal oder abwechselnd. Ich kann mich nicht erinnern, in der jüngeren Vergangenheit eine ähnlich hohe und komplexe Dichte bei einer instrumentalen Band gehört zu haben. Mit dem Stück „Kawea Tātou Ki Ngā Hiwi“ wird diese atmosphärische Komplexität geschickt unterstrichen, da hier das instrumentale Gebot gebrochen wird und phasenweise traditionelle Gesänge der Maori zu hören sind.

Ich kann es nicht anders sagen, aber „Pirohia“ ist ein sehr beeindruckendes und überragendes Album. Es passt einfach alles perfekt. Sowohl die glasklare und mächtige Produktion als auch die spielerische Vielfalt lassen keine Wünsche offen. KERRETTA überzeugen mit leisen und gefühlvollen Klängen ebenso wie mit den lauten und harten Arrangements. Besonders hervorheben möchte ich dabei die großartige Fähigkeit diese Gegensätze miteinander zu verbinden. Es gibt viele Bands, die entweder das Leise und Ruhige oder das Laute und Energische beherrschen, doch ich habe nur sehr wenig Gruppen gehört, die beides in diesem hohen Maße beherrschen und das Ganze dann zu einem runden und absolut stimmigen Album führen. Wer sich jetzt nicht nur das Album kaufen möchte hat auch Gelegenheit KERRETTA live zu sehen, denn am 11. September startet die Europa-Tournee. Die Daten dazu stehen weiter unten.

Kerretta – Pirohia
2014 | Golden Antenna
Vinyl / CD / Digital | Instrumental Rock

1. Ossein Trail
2. The Roar
3. Warnlands
4. His Streets Of Honey, Her Mouth Of Gold
5. Iron Hail
6. Kawea Tātou Ki Ngā Hiwi
7. Sister, Come Home
8. The Last Rivers

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