Klone – Unplugged

Klone - UnpluggedManchmal gibt es Alben, da sitzt man Tag ein und Tag aus vor der Tastatur, hört sich brav die Musik an, und es fällt einem ums Verrecken nichts ein. Etwas Schlimmeres kann einem nicht passieren. Dann gibt es aber auch Veröffentlichungen wie „Unplugged“ von KLONE, wo man schon aufpassen muss, sich nicht im Schreiben zu verlieren, sonst hat man am Ende ein Roman statt einer Rezension.

Ich muss zugeben, dass ich mich bisher nie wirklich mit dem Thema Unplugged auseinandergesetzt habe. Dies lag einerseits an meiner Lieblingsmusik, da gab es so etwas schlicht nicht, andererseits, als es infrage kam, war ich noch nicht reif dafür*. Trotzdem stieg die Spannung in mir an, als „Unplugged“ von KLONE angekündigt wurde. Für mich gehört das 2015er Album „Here Comes The Sun“ zu den besten Veröffentlichungen der vergangenen Jahre überhaupt.

Von eben diesem großartigen Album haben es denn auch sieben Stücke auf „Unplugged“ geschafft, die live im Théâtre de la Coupe d’Or aufgenommen wurden. Zwei weitere Lieder entstammen dem 2012er Album „The Dreamer’s Hideaway“ und bei den zwei verbleibenden Titeln handelt es sich um Studioaufnahmen, wovon eine „People Are People“ von DEPECHE MODE ist.

Mit dem Lied „Immersion“ beginnt die akustische Reise erwartungsgemäß ruhig und gefühlvoll. Mich konnten KLONE umgehend positiv überraschen. Überraschen konnten sie mich deshalb, weil mich Sänger Yann Ligner vollends überzeugen konnte. Der Mann kann tatsächlich singen, und nicht nur das, seine Stimme hat auch einen sehr schönen Klang. Auf „Here Comes The Sun“ gefiel mir sein Gesang natürlich auch, aber Studioaufnahmen sind etwas ganz anderes, da hat man zahllose Versuche und technische Möglichkeiten Dinge zu manipulieren. Bei einer live aufgenommenen Unplugged-Darbietung geht das nicht mehr. Und auch hier glänzt Yann Ligner.

Doch es ist nicht nur der gefühlvolle Gesang, der mich verzaubert, es sind auch die tollen Melodien. Ich empfand ja schon das Studioalbum als grandios und dramatisch, vollgestopft mit packenden Melodien. Diese nun in einer anderen Form zu hören ist hinreißend, geradezu betörend. Die Melodien der Akustikgitarren wirken ganz anders, sie sind viel feiner und zerbrechlicher. Hört euch nur mal „Grim Dance“ an, toll!

Das Fehlen von klanglicher Schwere, Bässen und tiefen Töne – zumeist sind nur Gesang, Akustikgitarre und Schlagzeug zu hören – offenbart interessante und fragil wirkende Facette. Nun ist „Here Comes The Sun“ kein ausgesprochen hartes Werk, doch hatte es allein durch die Klangphysik elektronischer Gitarren eine gewisse Schwere und Tiefe. Dies fehlt „Unplugged“, was den bestens bekannten Liedern einen ganz eigenen Charakter verleiht.

Obwohl es sich bei „People Are People“ um eine Studioaufnahme handelt, ist es dennoch eine Akustikversion des Klassikers von DEPECHE MODE. Natürlich erkennt man das Original, dennoch haben KLONE etwas Eigenes und Neues daraus gemacht, was mir vielleicht sogar besser gefällt als das Original. KLONEs Interpretation wirkt weicher, runder und organischer, allein schon des natürlichen und gefühlvollen Rahmens wegen.

Ich habe jetzt viel über Leichtigkeit, Feinheit und Zerbrechlichkeit referiert und darüber fast vergessen „Rocket Smoke“ zu erwähnen. Mir ist das Lied nicht bekannt gewesen, da ich „The Dreamer’s Hideaway“ nicht kenne**. Allerdings gefällt mir die „Unplugged“-Version außerordentlich gut, weil sie interessante Melodien offenbart und überdies auch noch recht kraftvolle und dunkle Arrangements besitzt.

Bevor ich nun tatsächlich einen Roman schreibe, hier das Fazit: „Unplugged“ ist ein tolles Album, welches ich jedem Fan von KLONE und/oder „Here Comes The Sun“ wärmstens ans Herz legen möchte. Es ist eine tolle Variante eines großartigen Albums und macht unbeschreiblich viel Freude. Es gibt nur einen Wehmutstropfen: Es fehlt auf „Unplugged“ mein absolutes Lieblingslied von „Here Comes The Sun“, nämlich „The Drifter“. Ich habe keine Ahnung, was das schief gelaufen sein ist.

Klone – Unplugged
17.02.2017 | Prog Rock
Vinyl / CD / Digital | Pelagic Records

1. Immersion
2. Grim Dance
3. People Are People (Depeche Mode Cover)
4. The Silent Field Of Slaves
5. Nebulous
6. Gone Up In Flames
7. Into The Void
8. Fog
9. Come Undone
10. Rocket Smoke
11. Summertime (George Gershwin Cover)

*) Das war 1993 und 1994 als „MTV Unplugged in New York“ von NIRVANA weltweit für Aufsehen sorgte. Ich fuhr damals total auf „Nevermind“ ab, liebte den Krach und freute mich, anlässlich der „In Utero“-Tour, auf ein anstehendes Konzert in Berlin, welches dann aber aufgrund des Suizids von Kurt Cobain abgesagt wurde. Jedenfalls konnte es mir damals nicht laut und lärmend genug sein, was will ich da mit ruhiger Akustikgitarre?

**) Ich habe die Eigenart, mich nicht mit anderen Alben beschäftigen zu wollen, wenn mir ein bestimmtes Album (nämlich das, mit dem ich eine Band kennengelernt habe) überaus gut gefällt, es mich elektrisiert und mich zutiefst berührt. Deshalb verpasse ich bestimmt eine Menge, und ich meide Nachfolgealben solange es geht. Geht es eigentlich jemanden genauso?

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