Kodiak – Kodiak

Kodiak - KodiakDiese selbstbetitelte 2CD bietet einen wunderbaren Einblick in das Schaffen von Kodiak, da hier die gesamte Diskographie inklusive eines neues Liedes vertreten ist. Die beiden ersten Lieder The Beginning und End sind vom Debütalbum, kommen zusammen auf fast 40 Minuten Spielzeit und enthalten eine schöne Mischung aus Ambient und Drone. The Beginning fängt angenehm mit Streichinstrumenten an und steigert sich sehr gemächlich. Die Saitenanschläge lässt man zum Teil sekundenlang ungehemmt ausklingen, wobei Lautstärke und Intensität zunehmen. The Beginning gefällt mir gut, da es auf der einen Seite sehr ruhig ist, auf der anderen Seite aber auch brachial und drückend und es zwischendurch experimentelle Ambientklänge zu hören gibt. End geht da in eine andere Richtung, es ist atmosphärisch viel düsterer und bedrückender, stellenweise regelrecht beklemmend, was nicht nur an der Atmosphäre liegt sondern auch an der reduzierten und überaus minimalistischen Spielweise. Obwohl wenig passiert und viele Minuten lang eher Monotonie vorherrscht, wirkt das Lied enorm kraftvoll, was dem guten und sauberen Klang geschuldet ist.

Town Of Machine entstammt der Split mit Black Shape Of Nexus und ist hier erstmals auf CD zu hören. Es ist gleich von Anfang an kraftvoller als die beiden Stücke vom Debüt und klanglich auch etwas roher, die Saiteninstrumente klingen organisch und warm. Das passt auch sehr gut zu den langen und schleppenden Drone-Passagen, die ob aller Langsamkeit sehr kräftig und wuchtig aus den Lautsprechern kommen. Die zweite Hälfte des Liedes ist hingegen von experimenteller Natur und es sind leise psychedelische Gitarrenklänge zu hören, die in einem sehr kraftvollen sowie lauten Part münden. Großartig dieser Übergang, der sehr intensiv und energisch ist.

Abschließend für die erste CD ist das unveröffentlichte By The Sea zu hören. Mit einer Spielzeit von knapp acht Minuten ist es das mit Abstand kürzeste Lied der Doppel CD. Es ist ein kraftvolles doomiges Stück mit energischen Riffs, guten Melodien und einem langsamen aber druckvollem Rhythmus.

Die zweite CD beginnt mit MCCCXLIX The Rising End von der Split mit Nadja. Anders als Town Of Machine oder By The Sea ist es weniger doomig und dafür reichhaltiger an experimentellen Klängen. Die stark verzerrten Gitarren hallen grenzenlos durch den Raum und vereinzelt sind auch Pianoklänge zu hören. Das geht so rund sieben Minuten ehe die Intensität zunimmt, die Gitarren lauter werden und erstmalig das Schlagwerk zu hören ist. Die zweite Hälfte des Liedes ist zwar kraftvoller und lauter, aber nach wie vor sehr experimentell und zusammengesetzt aus verschiedenen Klangteppichen. Teilweise sind diese Klanglandschaften sehr sehr düster, dunkel und basslastig, manchmal auch sehr sphärisch und universell. In den 21 Minuten, die das Lied dauert, kommt allerdings zu keinem Zeitpunkt Stillstand oder langwierige Monotonie auf. Viel passiert zwar nicht, doch sind die Arrangements so gut gesetzt und platziert, dass trotz aller spielerische Armut, ein sehr intensives und sich veränderndes Monument epischen Ausmaßes entstanden ist. MCCCXLIX The Rising End ist für mich mit das Beste, was ich je in bereich des experimentellen Drone gehört habe, ganz hervorragend.

Mit den beiden Edelgasen Radon und Xenon endet die Doppel CD. Radon und Xenon sind gemeinsam mit der Band N geschrieben und eingespielt worden. Der Einfluss von N ist spürbar deutlich, da der Anteil von Ambient, vor allem in Radon, sehr viel höher als bei den anderen Liedern von Kodiak ist. Radon besteht in der ersten Hälfte aus sehr ruhigem elektronischen Ambient, während die zweite Hälfte von langsamen und langgezogenen Gitarren bestimmt ist. Radon bleibt aber ruhig. Xenon ist da schon doomiger und beginnt unmittelbar mit Schlagwerk und einem melodischen, sich wiederholenden Riff. Dabei ertönt Xenon stellenweise sehr druckvoll, brachial und raumfüllend ohne dass das schleppende Tempo sich verändert. Ruhige Abschnitte, die ausschließlich aus einer leisen Akustikgitarre bestehen gibt es aber auch. Das Lied verändert sich alle paar Minuten, neue Elemente kommen hinzu, andere verschwinden.
Mit dieser 2CD bekommt man ein großartiges Stück Musik. Ich kannte Kodiak bisher noch gar nicht und mit dieser Zusammenstellung des bisherigen Schaffens kann mich Kodiak vollends begeistern. Kodiak versteht es hervorragend sowohl mit krachendem Doom als auch mit experimentellen Ambient und Drone gleichermaßen zu überzeugen. Auch wenn einzelne Passagen sehr lang ausfallen können, versteht es Kodiak ausgezeichnet, durch geschickte kleine Veränderungen, die Spannung stets aufrecht zu erhalten. Wer auf Instrumentalmusik steht, die neben Drone und Ambient auch sehr gute Melodien besitzt, sollte sich Kodiak auf keinen Fall entgehen lassen. Und wer die bisherigen Veröffentlichungen schon besitzt aber auf die zwei Neuen Lieder mit N nicht verzichten möchte, kann sich diese auch auf einer gesonderten LP bestellen, die zusammen mit dieser Doppel CD am 9. September erscheinen wird. Optisch macht das dicke Gatefolddigipak der Doppel CD aber auch viel her, weshalb jeder Euro hier gut angelegt ist.

Kodiak – Kodiak
2011 | Denovali Records
CD | Drone Doom / Ambient

CD 1
01. Beginning
02. End
03. Town of machine
04. By the sea

CD 2
01. MCCCXLIX the rising end
02. Radon
03. Xenon

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