Membrane – Reflect Your Pain

Membrane - Reflect Your PainMEMBRANE gehören zu jener Sorte von Bands, deren Stil man nicht mit der schlichten Benennung von ein oder zwei Genres abhandeln kann. Gelistet werden sie zwar als Noisecore, worunter ich mir zunächst recht wenig vorstellen kann. Ich empfinde „Reflect Your Pain“ stilistisch betrachtet jedenfalls als sehr vielgestaltig und es ist im Grunde unmöglich – und auch unnötig – alle Elemente und Einflüsse exakt aufzudröseln.

Mit abstrakter Verkopftheit hat „Reflect Your Pain“ jedoch überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, von Anfang an wohnt der Musik ein direkter und packender Zug nach vorne inne, der sich in erster Linie aus dem kraftvollen, bebenden Gitarrenspiel speist. Der satte Gitarrensound und die lärmenden Riffs bringen eine dynamische Härte, aber zugleich auch eine lässige, manchmal an den Grunge erinnernde, Hässlichkeit ins Spiel, die gelegentlich von postapokalyptischen verzerrten Gitarrenwänden durchbrochen wird, welche mich an diverse instrumentale Post-Metal-Gruppen erinnert.

Doch so vielfältig und komplex sich das jetzt auch liest, so überraschend geradlinig und zielstrebig geht das Trio eigentlich zugange. Denn der strukturelle Überbau ist denkbar schlicht und in allen Liedern ähnlich. MEMBRANE experimentieren nicht mit komplexer Vielfalt oder überraschenden Gegensätzen (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Im Mittelpunkt stehen vielmehr die unfassbar energetischen Gitarren, deren Riffs und Melodien trotz des mäßigen Tempos brachial und rüttelnd sind. „Reflect Your Pain“ ist ein schwungvolles und treibendes Album, das Aggressivität mit einer düsteren, auf mich irgendwie endzeitlich wirkenden Atmosphäre, verbindet.

Es ist das Gesamtpaket, welches mich auf Anhieb und von der ersten Sekunde an fesselt. Es ist die Kombination aus Melodik, Klang und Gesang, die das Album so energisch und eindringlich macht. Der Klang ist sehr differenziert und sehr warm und stellt die Gitarren in den Mittelpunkt, was ich persönlich wunderbar finde. So bekommen die Lieder eine aggressive und lärmende Note, obgleich das Spiel nicht immer zwingend forsch ist.

„Reflect Your Pain“ ist kein wild zusammengewürfelter Stilmix, die Kompositionen machen einen sehr runden und stimmigen Eindruck. Man kann die Erfahrung der Musiker fühlen und hören, immerhin liegen die Anfänge von MEMBRANE bereits fünfzehn Jahre zurück. Da hat sich einiges angesammelt, was sich auch heraushören lässt. Es lassen sich zahllose Einflüsse und Stilelemente heraushören, die von MEMBRANE in ein überaus eigenständiges Fundament gegossen wurden.

Weiter oben deutete ich es bereits an. Eine stilistische Ausnahme, einen überraschenden Gegensatz, gibt es nämlich doch. Am Ende von „Breath“ und auch in „Lonesome“ gibt es weiblichen Gesang zu hören. Dies bricht die berstende Gitarrenmusik der Herren wunderbar auf und betont die düstere Grundatmosphäre des Albums hervorragend.

Für mich ist „Reflect Your Pain“ ein tolles Album. Es ist kraftvoll, rhythmisch, aggressiv und besitzt fesselnde, desolate Harmonien. Hier treffen Noise, Hardcore und post-metallische Melancholie wunderbar aufeinander.

Membrane – Reflect Your Pain
2015 | Noisecore / Hardcore
Digital / CD / Vinyl | Atypeek Music / Basement Apes Industries

1. A Dead Weight
2. The Face
3. Leaving A Trail
4. Breath
5. Never Ending
6. Lonesome

http://www.membranenoise.com/
https://www.facebook.com/pages/membrane/108153705889976
http://www.atypeekmusic.com/Atypeek_Music.html
http://www.basementapesind.com/

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