Mono – Requiem For Hell

Mono - Requiem For HellZuletzt empfand ich Post Rock und Instrumental Rock häufig als zu zahm, ruhig und nett. Die Bands wissen zwar immer wie man Musik schreibt und sie professionell umsetzt, doch es gelingt ihnen kaum, mich zu fesseln und längerfristig an sich zu binden. Ich könnte da WANG WEN und PG.LOST nennen, die kürzlich ebenfalls über das Berliner Label Pelagic Records ihre neuen Alben veröffentlichten, oder auch IF THESE TREES COULD TALK.

Nun steht von den japanischen Post-Rock-Pionieren MONO das neue Album „Requiem For Hell“ an, und ich befürchtete zunächst, es hier ebenfalls mit einem gut gemachten aber letztlich zu ruhigen und zahnlosen Album zu tun zu haben. Dem ist nicht so.
Über MONO braucht man gar nicht viel zu schreiben, schrieb die Band doch längst Musikgeschichte und wer Fan ist, hat sich das neue Album ohnehin schon vorbestellt oder wird es ungehört kaufen, der braucht keine Besprechung. Es gibt aber auch Leute, die MONO noch nicht so gut kennen, Leute wie mich.

Mit „Death In Rebirth“ beginnt das Album für mich bereits ein wenig irreführend, da das Stück auf der einen Seite überaus ruhig und übersichtlich ist, was mich zunächst zu der Annahme verleitete mich langweilen zu müssen, doch bevor dies geschah, besonnen sich MONO und kontrastierten mit einer intensiven Passage, die lauter, lärmender und hässlicher wird. Mit zunehmendem Verlauf wird „Death In Rebirth“ immer energiegeladener und eindringlicher.

Mit „Stellar“ folgt eine ruhige Nummer, in der Streicher und Piano zu hören sind. Das Lied fungiert als Überleitung zum überlangen Titellied „Requiem For Hell“. Das Stück ist knapp achtzehn Minuten lang und durchlebt mehrere Metamorphosen. Es gibt feine Gitarrenmelodien und sphärische Arrangements ebenso wie intensive und lautstarke Ausbrüche, die fast schon im Noise münden. Das Titellied ist ein tolles Stück, da überaus spannungsgeladen. Als besonders empfinde ich hier die Bassgitarre, die sich immer wieder schnalzend hervortut und den lärmenden, grellen Gitarrenklang durch ihren naturgegebenen warmen Schall aufbricht.

Mono (Japan)Erneut folgt ein ruhiges Lied, zu dem es eine schöne Geschichte zu erzählen gibt. Der Titelname „Ely’s Heartbeat“ ist wörtlich zu nehmen, weil es dem erstgeborenen Kind, Ely, eines guten Freundes und Begleiters MONOS gewidmet ist, der Fotos und den Herzschlag des noch Ungeborenen schickte. Eine wirklich schöne Geschichte, zumal Elys Herzschlag tatsächlich in dem Lied zu hören ist (man muss allerdings sehr genau hin hören).

Nach anfänglicher Skepsis und möglicher Voreingenommenheit ist es MONO gelungen, mich von ihrem neunten Album zu überzeugen. „Requiem For Hell“ ist ein vielseitiges Werk mit Tiefgang. Das Album ist bestimmt von einer klaren Schönheit und Anmut, auf die gerne mal ein paar Tropfen Melancholie träufeln. Ein Album, welches perfekt zum derzeitigen Herbst passt. Es ist so abwechslungsreich wie diese wundersame Jahreszeit, die so kalt und dunkel aber auch freundlich und lichtdurchflutet sein kann.

Mono – Requiem For Hell
14.10.2016 | Instrumental Rock
Vinyl / CD / Digital | Pelagic Records

1. Death In Rebirth
2. Stellar
3. Requiem For Hell
4. Ely’s Heartbeat
5. The Last Scene

Takaakira „Taka“ Goto – Gitarre
Tamaki – Bass, Piano
Yoda – Gitarre
Yasunori Takada – Schlagzeug

http://www.monoofjapan.com/en/ | https://www.facebook.com/monoofjapan | https://monoofjapan.bandcamp.com/
http://pelagic-records.com/ | https://www.facebook.com/pelagicrecords/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.