Nihiling – Batteri

Nihiling - BatteriObwohl NIHILING ihr erstes Werk bereits 2006 veröffentlichten, liefen sie mir bisher nie über den Weg. Ihr aktuelles Album „Batteri“ eröffnen sie dann auch noch mit einer Finte, indem die ersten Augenblicke des Albums nur aus Gesang bestehen. Wie gesagt, ich kannte NIHILING nicht und wusste demzufolge nicht, was mich erwartet. Allerdings läuft das Ganze unter der Zuordnung Post Rock, weshalb ich von Instrumentalmusik ausgegangen war.

Doch mit Irritation und Überraschung nicht genug. NIHILING schreiten recht poppig voran und verwundern mich zunächst mit einem dezent schwermütigen Pop-Alternative-Rock-Gemisch, der mich sogar ein wenig an die Labelkollegen MONOPHONA erinnert. Weibliche Gesänge gehen mit elektronischen Elementen und Gitarren einher, teilweise wird dadurch eine herrlich verträumte Stimmung erzeugt, die früh im grandiosen „Power Rangers“ gipfelt.

Hätte ich vor dem ersten Anhören das Infoschreiben gelesen, wäre ich weniger überrascht gewesen. Da steht nämlich, dass „Batteri“ in zwei Teile gegliedert ist. Der erste Teil sei poppig und an den britischen Indie Rock angelehnt, während der zweite Teil sphärisch und instrumental ist.

Und tätsächlich. Mit „Prey“ wandelt sich das Antlitz von „Batteri“. Nun steht das Instrumentale im Mittelpunkt, welches von NIHILING überaus vielseitig inszeniert wurde. Während „Ottersong“ eher traditioneller Instrumental Rock ist, der aus Gitarre und Schlagzeug besteht und sich allmählich steigert, wird „Cellardoor“ hingegen durch Streicher und ein Piano bestimmt.

Dann folgt vorübergehend ein massiver Stilbruch. „Idiot“ ist in Teilen ein schwerer und zäher Brocken, dessen Eintönigkeit und Langsamkeit in Richtung Drone Doom weisen. Der tiefe und enorm kraftvolle Instrumentenklang ist regelrecht überraschend und durchschüttelnd, zumal man zuvor durch Piano und Streicher verwöhnt wurde.
Streicher und Piano kommen dann noch mal im abschließenden „Funeral“ zum Einsatz, wo mich NIHILING dann ein wenig an „USSR 1926“ von WE STOOD LIKE KINGS erinnern, eine weitere Band von Kapitän Platte. Somit schließt sich auf wunderbare Weise der Kreis.

nihiling band - 2017 by Nele Mohr
Foto: Nele Mohr

NIHILING passen perfekt zur Bielefelder Plattenschmiede und verbinden gekonnt Unterschiedliches miteinander. „Batteri“ ist ungewöhnlich, überraschend, unerhört vielseitig und anders. Hier verschmelzen traumhaft schöne Melodien mit verzückenden Gesängen und unvorhersehbaren Wendungen zu einem anspruchsvollen Album, trächtig mit klarer Schönheit und dezenter, elegischer Ruhe. Es ist ein wärmendes Kleinod mit therapeutischer Kraft.

Nihiling – Batteri
05.05.2017 | Post Rock
Vinyl, CD, Digital | Kapitän Platte

1. Ottersong
2. Power Rangers
3. Lungs
4. Rope
5. Prey
6. Cellardoor
7. Idiot
8. Funeral

NIHILING:
Jan Hendrik Schnoor
Noemi Evelyn Bunk
Alexandra Steinmetzer
Marco Winkler
Gorka Morales

05.05. – Hamburg, Hebebühne
16.05. – Bayreuth, Glashaus
17.05. – Rodewisch, Ars Vitae
18.05. – Regensburg, W1
20.05. – Monheim, Sojus 7
21.05. – Freiburg, Slow Club

https://www.facebook.com/nihiling/ | https://nihiling.bandcamp.com/
http://kapitaen-platte.de/

One thought on “Nihiling – Batteri

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.