Octo – Kitsch

Octo (Vinyl)Dass man nur Bassgitarre und Schlagzeug braucht, um eine coole und mitreißende Band zu befeuern ist seit langem ein offenes Geheimnis*. Bei OCTO dachte man sich wohl, warum nur einen Bassisten, wenn man auch gleich zwei nehmen kann? OCTO verzichten auf Gesang und Gitarre, setzen gänzlich auf die Kraft von Bassgitarre und Schlagzeug.

Das funktioniert auch (unerstaunlich) gut. OCTO präsentieren auf „Kitsch“ nämlich überhaupt keine geschmacklose Instrumentalmusik, wie sie einem womöglich weismachen wollen. Die sieben Lieder sind jedenfalls überwiegend harmonisch und weit davon entfernt, im Bassnirvana abstrakter Kompliziertheit zu verenden. Es gibt immer wieder zarte Melodien, knarzende Basslinien und klare Strukturen. In „aar… arr… cincinnaticat“ und „Trio Paradisoprivan“ überraschen mich OCTO sogar mit einem sehr sonoren und feingliedrigen Wohlklang schönster Melodien.

Das ganz große Album der Zerstörung und Kontraste ist „Kitsch“ nicht. Es ist in jedem Fall sehr interessant, sicher auch speziell und experimentell, doch wer dachte, hier ein infernalisches, aggressives oder hochgradig bizarres Bassgewitter serviert zu bekommen, sieht sich getäuscht. OCTO setzen vielmehr auf eine dezente Zurückhaltung und Klarheit, die dennoch eigenwillige Akzente aufweist. Hin und wieder erinnern mich einzelne Arrangements an die Klangexperimentalisten von TARAS BUL’BA aus Italien, was nur gut ist.

„Kitsch“ wird am 3. März auf der kleinen Düsseldorfer Plattenschmiede Krachladen Records erscheinen. Das Vinyl kommt mit einem großartigen Artwork des Bassisten Tobias Göbel in einer Auflage von 300 Stück (250x schwarz, 50x weiß) inklusive CD, Poster, Aufkleber und einem Downloadcode für eine digitale Version, die ein Bonusstück enthalten soll. Man bekommt fürs Geld einiges geboten. Wessen Herz für andere Musik, kleine Bands und Labels und besondere Vinylveröffentlichungen schlägt, sollte OCTO und Krachladen Records unterstützen.

Octo (Band)Und sollte es noch jemanden geben, der tatsächlich davon überzeugt ist, eine Gitarre gehört zwingend zu einer Band dazu, der muss sich von OCTO mit „Kitsch“ definitiv bekehren lassen. Man kann auch mit zwei Bassgitarren harmonisch und melodisch aufspielen, sodass auch die Kanarienvogelnerven geschont werden.

Octo – Kitsch
03.03.2017 | Instrumental Bass Noise
Vinyl, Digital | Krachladen Records

1. Octo Kaa Waii!!!
2. Ihre Idole sind Lügner
3. aar… aar… cincinnaticat
4. Uhu
5. Saudane
6. Trio Paradisoprivan
7. Kanarienvögelnerven

Guido Karnstedt – Schlagzeug
Torben Feck – Bass
Tobias Göbel – Bass

*) Ich erlebte eines meiner besten Konzerte im Winter 2001 in Berlin, als Inquisition (eigentlich aus Kolumbien aber wahlweise in den USA lebend), Godless North und Krieg aus den USA und Kanada eine Deutschlandtournee gaben. Alle drei Bands spiel(t)en lärmenden, fiesen und hässlichen Black Metal. Ich weiß gar nicht mehr wer Headliner war oder wer als erstes spielen musste, jedenfalls war ich über alle Maßen erstaunt darüber, dass beim Auftritt von Inquisition lediglich der Sänger und Bassist sowie der Schlagzeuger die Bühne betraten. Dabei sollte es bleiben, und es war ein Erlebnis sondergleichen. Niemand im Saal vermisste eine Gitarre. Das Bass-Schlagzeug-Duo vollführte einen unbeschreiblich intensiven und gelungenen Auftritt, von dem ich lange noch zehren sollte.

https://www.krachladen-records.de/ | https://www.facebook.com/krachladenrecords/ | https://krachladenrecords.bandcamp.com/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.