Owun – 2.5

Owun - 2.5OWUN aus dem französischen Grenoble gibt es bereits seit 1992. Mit dem Herausbringen neuer Werke haben sie es aber offenkundig nicht so eilig. Immerhin ist „2.5“ erst das fünfte Album. Auf ihrem 1996 veröffentlichten Debütalbum spielten OWUN noch eine Mischung aus Hardcore, Noise und New Wave. Von diesem bunten Stilmix ist nicht mehr viel übrig, obgleich OWUN nach wie vor extrem vielseitig sind.

Auf „2.5.“ präsentieren OWUN düsteren Postrock, der immer wieder mit Elementen aus Noise, Drone oder auch mal Postmetal angereichert wurde. Mit dem Opener „i.a.“ führten mich OWUN zunächst ein wenig in die Irre, da das Lied etwas nervend beginnt. Während der ersten Takte ist eine monotone und frickelige Gitarrenmelodie zu hören, so wie ich sie bei vielen Postrockbands hasse. Doch OWUN belassen es dabei und entpuppen sich nachfolgend zu einer überaus vielseitigen und pointierten Band.

Die Einflüsse die man in „2.5“ entdecken kann sind quasi unzählbar. Schließlich existieren OWUN seit 25 Jahren, da ist viel in die eigene Kreativität und Schaffenskraft eingeflossen. Dies ist hörbar und so fühlt es sich auch an. Ich werde leider nicht auf alle Details des komplexen Albums eingehen können, die Rezension würde sonst den Umfang eines dicken Wälzers annehmen.

Während mich OWUN zunächst mit der frickeligen Eingangsgitarre nervten, begeisterten sich mich hingegen mit „tom tombe“ vollends. „tom tombe“ ist ein extrem facettenreiches Lied, in dem OWUN sehr unterschiedliche Stimmungen, Genres und Einflüsse kombinieren und verschmelzen. Das Lied hat sehr wohlklingende und harmonische Parts, die dann etwa an MASERATI erinnern, andernorts tritt ruppig und harsch Noise in den Mittelpunkt aber auch ein schwarzmetallischer und post-apokalyptischer Part mit rau-grellen Gitarren und Raserei fehlt nicht. Trotz dieser Vielfalt und der starken Kontraste hört und fühlt sich „tom tombe“ absolut stimmig und flüssig an. Da ist nichts Verkopftes, Gewolltes oder Künstliches drin. Es passiert ja leicht, dass sich solch eine komplexe Vielfalt zu überladen oder zu gewollt anhört, in dieses Fettnäpfchen traten OWUN jedoch nicht.

Wie bereits mehrfach angedeutet, sind die Einflüsse und Genres die man auf „2.5“ wiederfinden kann, in hoher Anzahl vorhanden. Drone, Ambient und Industrial finden ebenso ihren Platz wie verstörende Elemente unterschiedlicher Metal-Stile, aber auch Postpunk und die Achtziger sind irgendwo anwesend. Dennoch hat alles letztlich Hand und Fuß. Wohlklang, Harmonik und makabre Disharmonie geben sich die Klinke in die Hand, kontrastieren einander und sorgen für stimmungsvolle Abwechslung.

Owun
© Sand.C

„2.5“ ist unglaublich und unbeschreiblich vielseitig und komplex. Die Arrangements sind sowohl düster, bizarr und beklemmend als auch schön, lichtdurchlässig und harmonisch. Es ist sperrig und leicht zugänglich zugleich. In jedem Fall ist „2.5“ aber spezielle und besondere Musik. Das Album wird nicht jeder mögen, doch diejenigen die sich darauf einlassen können, werden langanhaltende Freude damit haben.

Owun – 2.5
2017 | Postrock
CD, Digital | Atypeek Music, [reafførests]

1. i.a.
2. foul
3. all of us
4. tom tombe
5. araigneé
6. frost
7. orange
8. post
9. raison

https://www.facebook.com/Owun-118074054889918/
https://play.spotify.com/album/04aLxXS85HiH3mnCeAeUlw
http://www.atypeekmusic.com/Atypeek_Music.html | https://www.facebook.com/AtypeekMusic/
http://reafforests.com/ | https://www.facebook.com/rffrsts/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.