Phantom Winter – Cvlt

Phantom Winter - CvltAus einem Teil der Asche, welche die Auflösung von OMEGA MASSIF hinterließ, gründeten sich PHANTOM WINTER. Genau genommen sind Gitarrist Andreas Schmittfull und Schlagzeuger Christof Rath mit von der Partie. Diejenigen die OMEGA MASSIF hinterher trauern, hoffen vielleicht, dass PHANTOM WINTER eine neu aufgelegte und mit Gesang unterlegte Variante von OMEGA MASSIF sind. Ob dies der Fall ist, wird im Folgenden geklärt.

Auf ihrem ersten Album „Cvlt“ spielen PHANTOM WINTER eine derbe Stilmischung, die sich hauptsächlich aus Sludge und Black Metal speist aber auch Einflüsse von Hardcore sowie psychedelische Klänge aufweist. Es gibt massive, tieftönende Gitarrenwände und schleppende aber überaus brachiale Takte – was an OMEGA MASSIF erinnert. Andererseits lassen sich PHANTOM WINTER aber auch mal dazu hinreißen, den Knüppel aus den Sack zu lassen und Tempo aufzunehmen. Dann treffen Black Metal, Hardcore, Sludge und Doom krachend aufeinander. Insgesamt überwiegen jedoch langsame, schwere Rhythmen.

Doch nicht nur musikalisch ist „Cvlt“ ein brachiales Werk. Mit Andreas Schmittfull und Christian Krank gibt es gleich zwei Sänger die ordentlich einheizen. Oftmals ist der Gesang überaus harsch, keifend und extrem. Gesanglich brauchen sich PHANTOM WINTER hinter keiner Black-Metal-Band verstecken, so radikal und heftig ist der Gesang stellenweise. Ja, es gibt Momente wo PHANTOM WINTER traditionellen Black Metal skandinavischer Prägung spielen oder melancholisch zu Felde ziehen wie es so manch eine Depressive-Black-Metal-Band es tut. In dem wunderbaren Stück „Finster Wald“ rechnen PHANTOM WINTER in gewisser Weise mit den Teilen der deutschen Black-Metal-Szene ab, die sich mit nazistischem Gedankengut profiliert. Unter anderem wird dazu ein Zitat der deutschen Grindcore-Institution YACØPSÆ herangezogen: „Black Metal ich mache mir gleich in die Hosen“. Das macht mir PHANTOM WINTER unheimlich sympathisch und zeugt auch davon, dass das Album nicht nur musikalischen Tiefgang besitzt.

„Cvlt“ ist einerseits böse, brutal und gemein, doch andererseits auch durchzogen von psychedelischen Gitarrenläufen und harmonischen Melodien, die zum inneren Versinken einladen. Hier treffen Gegensätze aufeinander, die gekonnt miteinander vermischt werden. Man hört das Alte von OMEGA MASSIF heraus, doch gibt es auch sehr viel Neues. PHANTOM WINTER sind anders und eigenständig und somit auch weitgehend getrennt von OMEGA MASSIF zu betrachten. Wer auf eine Fortführung unter neuem Namen hoffte, der wird wohl enttäuscht werden, wobei das Gitarrenspiel von Schmittfull natürlich unverkennbar ist.

Ich finde es sehr gelungen, wie PHANTOM WINTER mit den verschiedenen Stilen spielen und sich nicht auf ein Genre versteifen. Man könnte „Cvlt“ als ein akustisches Kaleidoskop beschreiben, welches sich aus zahllosen stilistischen Mosaiksteinen zusammensetzt. Besonders ansprechend finde ich die Vermischung sphärischer und psychedelischer Gitarrenläufe mit dem giftigen Kreischgesang. Das klingt dreckig und böse aber zugleich auch atmosphärisch und melodisch. Ebenso überzeugen mich die dröhnenden Sludge-Parts mit ihren krachenden Riffwänden aber auch der Black Metal  und das Schnelle haben ihren Reiz. Ich finde, PHANTOM WINTER hätten sogar noch häufiger in Raserei verfallen können. Wie man es auch dreht und wendet, letztlich ist „Cvlt“ eine verdammt vielseitige Scheibe, die Gegensätze und Kontraste hat und das Bedürfnis nach Hass, Härte und Aggression ebenso stillt wie nach guten Melodien und sphärischen Arrangements.

Phantom Winter – Cvlt
2015 | Sludge / Black Metal
CD / Vinyl | Golden Antenna Records

1. Corpses Collide
2. Finster Wald
3. Svffer
4. Avalanche Cities
5. Wintercvlt

https://www.facebook.com/wintercvlt
http://www.goldenantenna.com/

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