Polymorphie – Voix

Polymorphie - VoixBei dieser französischen Künstlergruppe ist der Name Programm. POLYMORPHIE aus Lyon präsentieren auf ihrem Debütalbum „Voix“ eine überaus vielgestaltige Mischung aus Free Jazz, Noise, Rock und elektronischer Musik. Die Band besteht im Kern aus sechs Musikern, die bereits seit 2006 gemeinsam musizieren.

Experimentellen Jazz gab es hier zuletzt mit SVIN, NORDMANN und HIPPIE DIKTAT, doch POLYMORPHIE unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt. Während die anderen Bands rein instrumental sind, gibt es auf „Voix“ (frz.: „Stimme“) Gesang. Ein weiterer Beleg, die Franzosen wörtlich zu nehmen. Die Stimme von Sängerin Marine Pellegrini ist jedenfalls ein markantes Element, wobei sie nicht wirklich singt sondern spricht, beziehungsweise erzählt, und Laute von sich gibt. Pellegrini verleiht dem Wirken der Musik und Klänge eine besondere Tiefe und macht das Treiben an den Instrumenten interessanter, da ihr Erzählton etwas Geheimnisvolles und Fesselndes hat. Sie erzählt sowohl auf Französisch als auch auf Englisch, wobei im Englischen ihr französischer Akzent deutlich wird und sie eine interessante, eigenwillige Betonung und Intonierung aufweist.

Ihre Geschichten werden auf vielfältige Weise von den Musikern begleitet. Es gibt angenehme jazzige Parts mit sonorem Saxophon als auch laute, lärmende und komplexe Strukturen. Es geht sowohl verschachtelt und vertrackt als auch geradlinig zu. Die Lieder scheinen nicht immer einer Logik zu folgen, was dem Album immer wieder auch einen chaotischen und improvisierten Charakter verleiht. Hier sind POLYMORPHIE durchaus mit ihren Kollegen von SVIN oder HIPPIE DIKTAT zu vergleichen. POLYMORPHIE verwenden jedoch gelegentlich auch dezente elektronische Klänge, was ich höchst interessant finde. Dadurch erweitern POLYMORPHIE das musikalische Spektrum enorm und fügen dem jazzigen Konzept eine mysteriöse Komponente hinzu. Ebenso verstehen es die Franzosen auch mal schön swingend aufzuspielen, was mich dann an eine Big Band erinnert.

„Voix“ ist ein sehr interessantes und überaus vielschichtiges aber durchaus auch ausgewogenes Album. Die komplizierten und improvisierten Parts halten sich angenehm in Grenzen. Der experimentelle Charakter ist aber recht hoch, was gerade im direkten Bezug zur Erzählstimme von Pellegrini für tolle, atmosphärisch dichte Momente sorgt! Für Liebhaber experimenteller und jazziger Klänge also wärmstens zu empfehlen.

Polymorphie – Voix
2015 | Free Jazz / Noise
Digital | Atypeek Music

1. Le Berger
2. Cell
3. Suite N.C. Part 1 – Happy Birthday
4. Suite N.C. Part 2 – Where The Wild Roses Grow
5. Suite N.C. Part 3
6. Suite N.C. Part 4 – The Mercy Seat
7. Suite N.C. Part 5
8. Pachinko

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