Reptile Master – In The Light Of A Sinking Sun

Reptile Master - In The Light Of A Sinking SunDas Licht der untergehenden Sonne kann nicht nur unbeschreiblich schön sein, es kann einem auch eine trügerische Idylle vorgaukeln. Die sich verändernden Farbgebungen der Umwelt können furchteinflößend und bedrohlich wirken, Schatten wandern, werden länger und verändern sich. Alles hervorragende Zutaten für einen möglichen Alptraum, zumindest aber für Unbehagen. In jedem Fall sind Sonnenuntergänge überwältigend. Insofern ist der Name des Debütalbums von REPTILE MASTER aus dem hohen Norden Norwegens Programm, denn hier gibt es mächtigen und bösen Sludge/Doom, der einfach überwältigend ist.

REPTILE MASTER machen kurzen Prozess und deshalb ist die Einleitung „Hekseprosessen I“ folgerichtig auch ein kurzes Intermezzo, in dem eigentlich nur das markerschütternde Geschrei einer Frau zu hören ist, der nichts Gutes wiederfährt. Alles was hiernach folgt ist nicht weniger erschütternd. REPTILE MASTER spielen gerne und ausgiebig zähen und zentnerschweren Doom, der durch krachende Gitarrenriffs und schweren, überaus tiefen Basslinien alles erbeben lässt und die beiden Bassisten und Sänger kreischen, fauchen und schreien sich hasserfüllt die Seele aus dem Leib, als seien sie besessen von einer unsichtbaren Macht.

„In The Light Of A Sinking Sun“ ist ein böses und hasserfülltes Album. Schmerz und Pein wurden hier perfekt vertont und verewigt. Auch wenn das Album heftig ist und oftmals als Soundtrack einer Foltersitzung dienen könnte, gibt es kurzweilig durchaus erhellende Lichtstrahlen der untergehenden Sonne, die etwas Harmonie und Wohlklang einbringen. Vereinzelt verlassen REPTILE MASTER die zähen Pfade des mörderischen Dooms und geben beschaulich schöne Melodien einer Semi-Akustikgitarre zum Besten. Zugegeben, solche Eingaben sind selten doch es gibt sie und sie brechen den sonst so finsteren Doom gekonnt auf. Das sorgt für Kontrast und Abwechslung. Dazu trägt aber auch die Länge der Lieder bei, die nicht zu lang sind. Zwei Lieder sind sogar relativ kurz, was dem angenehmen Hörgefühl zuträglich ist und einer ermüdenden Zähigkeit entgegenwirkt.

Trotz aller Langsamkeit ist „In The Light Of A Sinking Sun“ ein übles und aggressives Album. Wer sich an Gruppen wie THOU, GRIME, GNAW, PRIMITIVE MAN oder WALK THROUGH FIRE erfreuen kann, der sollte sich definitiv den 23. Oktober dick und rot im Kalender anstreichen, denn dann werden die Norweger ihr Debüt entfesseln. Es ist ein überaus gelungener Einstand mit dem sich REPTILE MASTER nicht hinter Szenegrößen verstecken brauchen. Überdies ist das Album nicht zu hart, hässlich und gemein. Es gibt immer wieder mal dezente harmonische Arrangements, die das Album auch für Freunde des etwas friedlicheren Dooms zugänglich machen, obgleich man aber schon eine Schwäche für die brutale und hässliche Seite des Dooms haben sollte.

Reptile Master – In The Light Of A Sinking Sun
2015 | Sludge Doom
Vinyl / CD / Digital | Blues For The Red Sun Records

1. Hekseprosessen I
2. The Sorcerer’s Weed
3. Butcher’s Boogie
4. Verdict
5. From Crown To Dagger
6. Hekseprosessen II
7. Moon Ritual
8. In The Light Of A Sinking Sun

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