Sanford Parker – Lash Back

Sanford Parker - Lash BackIrgendwann hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jeder von uns schon mal Musik gehört, bei der Sanford Parker seine Finger im Spiel hatte. Entweder als Musiker (u.a.: BURIED AT SEA, CORRECTIONS HOUSE, MINSK, NACHTMYSTIUM, KRIEG, WREKMEISTER HARMONIES) oder Tontechniker und Produzent, wo die Liste von Bandnamen um ein Vielfaches länger ist, weshalb ich mich auf drei große Namen beschränke: PELICAN, YOB, COUGH.

Vor kurzem brachte Parker gemeinsam mit Scott Kelly von NEUROSIS unter dem Namen MIRRORS FOR PSYCHIC WARFARE ein Album heraus, welches mich nicht wirklich ansprach. Die dort dargebotene Vermischung aus Ambient, Drone und Noise war mir zu langweilig und ruhig. Nun steht Sanford Parker als Solokünstler am Start und veröffentlicht mit „Lash Back“ sein Debütalbum. Aufgrund der Langeweile die mich bei MIRRORS FOR PSYCHIC WARFARE plagte, erwartete ich nicht allzu viel, doch bereits mit dem ersten Lied packte mich Parker und alle Befürchtungen verflüchtigten sich.

Parker präsentiert auf „Lash Back“ eine düstere, morbide und endzeitliche Verschmelzung verschiedener Strömungen von Industrial, Noise und Ambient. So unterschiedlich die einzelnen Tracks auch sein mögen, so homogen, flüssig und stimmig erscheint „Lash Back“ in seiner Gesamtheit. Ich bin alles andere als ein Experte in Sachen Industrial und Noise. Dieses weite Feld der Musik ist mir viel zu unübersichtlich, weshalb ich nur sehr wenig Künstler kenne, die mir gut gefallen. Parker gelingt es jedoch mich auf „Lash Back“ an alle diese Gruppen zu erinnern. So gibt es Sequenzen bei denen mich Parker ein wenig an die großartige „Miss Melanoma“-EP von LIBIDO AIRBAG denken lässt, woanders kommen mir die 90iger Jahre und das Lied „Herbstverstimmung“ von MONO NO AWARE oder „Blut / Trilogie des Blutes“ von HAUS ARAFNA in den Sinn.

Ich will damit nicht behaupten, „Lash Back“ würde sich mit den genannten Tonträgern und Bands unmittelbar vergleichen lassen, doch es macht deutlich, wie unbeschreiblich vielfältig das Repertoire Parkers ist. Außerdem hört und spürt man die gleichzeitige Verbundenheit zur elektronischen wie auch zur metallischen Musik. Immer wieder lauern Parts, wo man denkt, hier müsste es gleich mit zähem Doom oder rauem Black Metal weiter gehen. Tut es aber nicht. Parker legt geschickt Finten und Reminiszenzen, die seinem Werk einen zusätzlichen Reiz verleihen.

„Lash Back“ hat sehr rhythmische Stücke die den Bewegungsdrang aktivieren, es hat aber auch sehr lärmende und kakofonische Verdichtungen und viel dunkle Harmonik. Es ist Sanford Parker geradezu perfekt gelungen, all dies absolut stimmig und aufeinander abgerundet in Einklang zu bringen. Darüber hinaus ist „Lash Back“ eine Album, auf dem es kein einziges schwaches Lied gibt. Alle Titel bewegen sich auf einem konstanten hohen Niveau. Für mich ist Parkers Debütalbum jedenfalls die beste Genre-Veröffentlichung seit langer, langer Zeit!

Sanford Parker – Lash Back
22.07.2016 | Ambient / Industrial / Noise
CD / Vinyl / Digital | My Proud Mountain

1. Psychic Driving
2. Knuckle Crossing
3. Slow Children
4. Low Gaps
5. Your Feral Blood
6. Sheep Slaughter

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