Sathönay – Lost A Home

Sathönay - Lost A HomeAls ich SATHÖNAY vor zwei Jahren kennenlernte, war ich von der durchaus interessanten EP „Gaziosmanpaşa“ zwiegespalten. Einerseits gefiel mir die ungewöhnliche Vermischung von orientalischer Musik mit Drone und Electronica. Andererseits gab es aber auch flache, sich öde dahin ziehende Parts. Inzwischen ist SATHÖNAY zu einem Trio gewachsen und mit „Lost A Home“ gibt es nun ein neues Album.

„Lost A Home“ hört sich gleich von Anfang an wesentlich stimmiger und leichter zugänglich an. Dabei fällt recht schnell auf, dass SATHÖNAY weitgehend auf elektronische Beats und Samples verzichten, die auf „Gaziosmanpaşa“ noch prominent zu hören waren. Dadurch wirkt „Lost A Home“ zunächst traditioneller, da die E-Saz noch federführender wurde und gemeinsam mit dem Cello eben für handgemachte Musik steht. Dieser Eindruck wird auch durch das kraftvollere und natürlicher klingendere Schlagzeug abgerundet. Bereits auf dem ersten Blick fallen also schon viele Veränderungen und Verbesserungen auf.

Musikalisch stehen SATHÖNAY nach wie vor für experimentelle Musik, deren Fundament zwar das Orientalische ist, doch wird dies mit psychedelischen, improvisierten und poppigen Arrangements verschmolzen. Dabei geht es mitunter harmonisch und wohlig, aber auch sonderbar und melancholisch zu.

Minimalistisch anmutende Orchestrierungen gibt es aber auch noch, so wie in „On Est Debout“, welches aufgrund seiner Gleichförmigkeit und der dezenten Zuhilfenahme elektronischer Beats in Richtung Drone tendiert. In anderen Stücken wird es teilweise mystisch und rituell, gerade dann, wenn die sporadischen Gesänge zu hören sind.

Sathönay
Foto: Hazam Modoff

Besonders schön und ansprechend finde ich jene Parts, in denen SATHÖNAY lauter und energischer aufspielen, wenn das Schlagzeug kräftig zur Geltung kommt und die Musik regelrecht dazu verleitet, sich im Takt mit zu bewegen. Ein tolles Beispiel dafür ist „Your Love Is Like A Blade In The Kidneys“, welches vom Cello bestimmt wird und sich zunehmend steigert, verdichtet und in einem furiosen Finale mündet. Solche Parts erinnern mich leicht an ungarischen Dance Folk, den ich persönlich sehr gerne mag, was mir hier natürlich auch gut gefällt.

SATHÖNAY haben mich mit „Lost A Home“ sehr positiv überrascht. Mir gefällt das Album in jeder Hinsicht besser als noch „Gaziosmanpaşa“. Das Album ist sehr vielfältig und bietet von tanzbarer Lebhaftigkeit bis zur verstörenden Monotonie eigentlich alles, was man von so einem Album erwarten kann. Doch es ist nicht nur die gute musikalische und kontrastreiche Darbietung, die mir so gefällt, auch der enorm warme, organische, satte und energiegeladene Klang trägt zum erstklassigen Erscheinungsbild bei.

Sathönay – Lost A Home
2017 | Oriental Psych
Digital, Vinyl | Atypeek Music, S.K. Records

1. Domicilio Dei Vinit
2. Manœuvre
3. Lost A Home
4. Styn Ipoga
5. On est debout
6. They Are Sisters
7. Your Love Is Like A Blade In The Kidneys
8. Lole

Nico Poisson – E-Saz, Gesang
Léonore Grollemund – Cello
François Virot – Schlagzeug

https://www.facebook.com/Sath%C3%B6nay-126880474149029/ | https://soundcloud.com/sathonay
http://www.atypeekmusic.com/Atypeek_Music.html | https://www.facebook.com/AtypeekMusic/ | https://open.spotify.com/album/28WZRejrSN1azTJKc0ui9h
http://skrecords.org/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.