Sheik Anorak – Keep Your Hands Low

Sheik Anorak - Keep Your Hands LowSHEIK ANORAK ist der Künstlername des französischen Musikers Frank Garcia, der unter diesem Namen seit 2006 als Soloprojekt musiziert. Darüber hinaus ist er in vielen anderen, teils extrem unterschiedlichen Gruppen involviert und er betreibt auch noch mit Gaffer Records ein Label, welches letzten Herbst ein Festival organisierte. Der Mann hat viel zu tun und besitzt offenbar auch ein gewisses musikalisches Talent. Garcia selbst sieht SHEIK ANORAK als Noiseprojekt, welches Stilelemente von Rock und Pop mit experimentellen und improvisierten Arrangements verbindet.

Mit dem Titelstück beginnt das Album zunächst locker flockig und mit einer überaus markanten Hookline und einem sonoren Gesang. Das Lied geht schnell ins Ohr und bleibt hängen. Hier hat man noch den Eindruck, es mit einer treibenden und melodischen Mischung aus Rock und Pop zu tun zu haben. Das Stück ist mitreißend und melodisch, dabei aber eingängig und irgendwie auch etwas kauzig, also alles andere als auf Hochglanz poliert. Ein schöner Einstieg sozusagen. Mit dem direkt nachfolgendem „The Summit“ geht es zunächst melodisch verspielt und verträumt weiter. Stellenweise ist hier selbstvergessener und schön gespielter Shoegaze zu hören. Allmählich verfestigt sich der Eindruck, es hier mit jemand zu tun zu haben, dem die Wirkung seines Gitarrenspiels als zentrales Ausdrucksmittel wichtig ist.

Doch mit dem dritten Lied „Blood…“ beginnt die Fassade zu bröckeln und es schleichen sich monotone Harmonien und Noise ein, die gemeinsam mit dem entrückten Gesang eine bedrückende Form von Post-Punk und Coldwave kreieren. Es gibt immer wieder Stellen, so wie gerade in „Blood…“, wo mich SHEIK ANORAK an SONIC YOUTH erinnert.

„Keep Your Hands Low“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album. Musikalisch und atmosphärisch gibt es viele und große Unterschiede, was eine Einordnung und einen Zugang womöglich erschwert. Er streut nicht nur immer wieder Instrumentalstücke ein, er greift auch immer wieder auf monotone Elemente und Noise zurück, was den einen oder anderen sicherlich abschrecken dürfte. Doch genau diese ‚störenden‘ Faktoren machen das Album für mich so interessant. SHEIK ANORAK kann zwar wunderbar Gitarre spielen und versteht es, wunderschöne Melodien zu schreiben. Aber er verlässt sich eben nicht nur darauf; dies machen ohnehin schon genügend andere. Er vertauscht diese klare und sanfte Schönheit mit Dunkelheit, Hässlichkeit und Lärm. Dies ist zwar auch nicht neu, doch es ist überaus wirkungsvoll und stimmig. „Keep Your Hands Low“ ist eben ein Album mit Ecken und Kanten. Es ist ein sonderbares und eigensinniges Werk, welches sich in keine Schublade stecken lässt.

SHEIK ANORAK macht das, wonach ihm gerade der Sinn steht. Diese Unverbindlichkeit unterstreicht er mit dem Beatles-Cover „Tomorrow Never Knows“, welches in seiner Interpretation rau und düster klingt. Außerdem ist es auch ein weiterer Beweis für seine stilistische und atmosphärische Vielfalt, denn an unterschiedlichen Einflüssen mangelt es hier nicht.

Ein Fazit zu schreiben ist nicht einfach, denn es ist fast unmöglich, diese eigenwillige Vielfalt treffend zusammenzufassen. „Keep Your Hands Low“ ist ein Album der Kontraste und Gegensätze. Es gibt schönen, melodisch verspielten Post-Rock ebenso wie lärmende Improvisation und Noise und eine gelegentliche melancholische Post-Punk-Attitüde. Wer das jetzt irgendwie interessant findet, der sollt sich mal ausgiebig mit SHEIK ANORAK (und seinen anderen Beteiligungen) beschäftigen.

Sheik Anorak – Keep Your Hands Low
2014 | Gaffer Records / SK Music, Atypeek Music
CD / Digital | Experimentell / Post-Rock / Noise

1. Keep Your Hands Low
2. The Summit
3. Blood…
4. …And What We’ve Left Behind
5. Stuck In There
6. MLMS
7. Tomorrow Never Knows (Beatles Cover)
8. Outro

https://www.facebook.com/pages/Sheik-Anorak/350023869697
http://www.sheikanorak.com/
https://sheikanorak.bandcamp.com/
http://www.gafferrecords.com/
http://skrecords.org/
http://www.atypeekmusic.com/Atypeek_Music.html

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