Silver Snakes – Saboteur

Silver Snakes - SaboteurDie SILVER SNAKES wurden 2011 in Kalifornien von dem Sänger und Gitarristen Alex Estrada gegründet, nachdem seine alte Hardcore-Crust-Band zu Grabe getragen wurde. Nun präsentiert das Quartett mit „Saboteur“ sein bereits drittes Album, das erste, welches hierzulande über die Berliner Plattenschmiede Pelagic Records in den Handel kommen wird.

Es gab mal eine Zeit, da waren die Charts regelmäßig von Rock-, Grunge-, Industrial- und Metal-Bands besiedelt. Harte Gitarrenmusik war sozusagen Mainstream und überall zu hören. Es war musikalisch betrachtet eine gute Zeit. Heute ist das kaum vorstellbar, wenn man das Radio aufdreht, sind doch immer ähnlich klingende Schnulzen mit brüchiger, weinerlicher Stimme zu hören, von harten Riffs und treibenden Drums keine Spur. Im Fernsehen folgt eine Casting-Show der anderen um seelenlose Wegwerf-Konserven zu formieren. Die SILVER SNAKES scheinen sich dessen womöglich bewusst zu sein, folgen sie doch dem alternativen Geist der 90iger.

Die Einflüsse die sich auf „Saboteur“ finden lassen sind mannigfaltig, so wie es auch die Zeit damals war. Sonore aber kraftvolle Gesangsstimmen die mich entzücken und hin und wieder an Ed Kowalczyk von LIVE denken lassen, treffen auf Industrial Rock à la NINE INCH NAILS. Es treffen eine dezente aber latent schwelende Melancholie sowie sehnsüchtige Dunkelheit auf packende Härte und energiegeladene Riffs.

Silver Snakes (Band)Die SILVER SNAKES verlieren sich aber nicht nur in Reminiszenzen auf die 90iger, es schimmern immer wieder auch moderne Einflüsse durch und auch die Hardcore-Crust-Herkunft von Estrada macht sich einstweilen bruchstückhaft bemerkbar. Jedenfalls äußern sich immer wieder post-metallische Arrangements, die eruptiv Post-Irgendwas zutage fördern. Ganz gleich wie man stilistische Arrangements nun benennen möchte: „Saboteur“ ist eine verdammt vielseitige Scheibe, die sich aus zahllosen Schichten zusammensetzt. Hat man eine Schicht freigelegt, offenbart sich darunter eine weitere Ebene die noch tiefer hinab ins musikalische Dickicht von „Saboteur“ führt.

„Saboteur“ ist nicht nur vielgestaltig es ist auch durchaus überraschend. Es gibt sehr unterschiedliche und sich stark voneinander abgrenzende Lieder, die letztlich gemeinsam dennoch wie aus einem massiven, unverwüstlichen Guss wirken. Mir gefällt zwar nicht jedes Lied gleich gut, doch gibt es echte Knaller auf der Scheibe („Electricity“, “Glas”, „The Loss“). Insgesamt betrachtet ist es den Kaliforniern hervorragend gelungen mich zu fesseln, und mich sogar ein wenig nostalgisch werden zu lassen. Mir bereitet „Saboteur“ gleichwohl viel Freude und ist jedem zu empfehlen, der die harte Gitarrenmusik längst vergangener Tage zu schätzen weiß.

Silver Snakes – Saboteur
05.02.16 | Alternative Rock
Vinyl / CD / Digital | Pelagic Records

1. Electricity
2. Glass
3. Raindance
4. Devotion
5. Fire Cloud
6. Red Wolf
7. Charmer
8. La Dominadora
9. Dresden
10. The Loss

http://www.yearofthesnakes.com/
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http://pelagic-records.com/

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