Soon – Vol. 1

Soon - Vol. 1„Vol. 1“ ist der mehr als passende Name des Debütalbums von SOON. SOON kommen aus North Carolina und sind Stuart McLamb (Gitarre, Gesang) und Thomas Simpson (Schlagzeug, Perkussion) von THE LOVE LANGUAGE sowie Robert Walsh (Bass, Gesang) von BITTER RESOLVE und Mark Connor (Gitarre, Hintergrundgesang) von GROHG. Bis auf THE LOVE LANGUAGE dürften die Bands hierzulande eher unbekannt sein. Dass die vier Musiker aus sehr unterschiedlichen Musikrichtungen kommen, spürt und hört man mit jedem Lied von „Vol. 1“.

Es ist ein extrem vielseitiges Album, auf dem sich SOON in keiner Weise festlegen. Die vier Musiker vermischen Doom mit melancholischem Rock mit Spuren von New Wave, mit Psychedelic Rock, mit Drone, mit Space Rock und post-metallischer Schwere. Das liest sich jetzt vermutlich unfassbar episch und ihr vermutet nun monolithische Lieder mit Überlänge. Weitgefehlt. „Vol. 1“ ist ein überraschend kurzes Album. Es dauert gerade mal 35 Minuten. Die einzelnen Stücke bewegen sich zwischen zwei und sieben Minuten – was SOON geschickt für sich zu nutzen wissen. Obwohl das Album so vielfältig ist und unterschiedliche Einflüsse, Stile und Akzente miteinander verschmelzen, ist es SOON überragend gelungen das Album absolut locker, flüssig und stimmig wirken zu lassen.

Mit dem Opener „We Are On Your Side“ schmeicheln sich SOON beim Hörer ein. Ein satter, kräftiger und basslastiger Klang verleiht dem Auftakt eine doomige Tiefe und Schwere, welche durch gelegentliche melodische Gitarrenläufe sowie den überaus sonoren und gefühlvollen Gesang von McLamb blumig aufgelockert wird. SOON werden immer wieder sehr melodisch, doch kombinieren die vier Amerikaner das souverän mit kräftigen und wuchtigen Arrangements, so dass die Lieder ob der weichen Melodien genügend Härte besitzen.

Es sind nicht nur filigrane Riffs oder Soli mit denen SOON harmonische Akzente setzen. Im hymnenhaften „Gold Soul“ kommt etwa ein wohldosiertes Cello zum Einsatz. Die Verwendung dieser Instrumentengattung kann sehr leicht schmalzig, kitschig und zu romantisch ausfallen, doch hier hat es einen wunderbaren harmonisierenden Effekt, der sich hervorragend mit dem Rest ergänzt.

Soon (Band)Nachdem „Gold Soul“ wunderbar harmonisch war, wird man umgehend mit dem rockigen „Glass Hours“ wach geschüttelt, nur um sich mit der folkigen Akustikgitarren-Nummer „Mauveine“ in melancholische Gefilde entführen zu lassen. Doch es wird noch interessanter. „Datura Stramonium“ ist ein extrem facettenreiches Lied, in dem Psychedelic Rock mit Noise und einer partiellen Atmosphäre, die mich an New Wave erinnert, auf wundersame Weise kombiniert werden. Doch SOON sind mit ihrem Repertoire noch nicht am Ende. Es folgt nämlich der Rausschmeißer „Rise“, eine tief und unheilvoll dröhnende Drone-Darbietung, die ein krasser Kontrast zum Rest des Albums ist und „Vol. 1“ beklemmend beendet.

Ich habe im Doom-Rock-Bereich selten ein derart mannigfaltiges Album gehört, welches so gut funktioniert. Die Stile und Einflüsse sind unbeschreiblich differenziert, weshalb ich darauf verzichten musste irgendwelche Bandnamen zum Vergleich heranzuziehen. Obwohl „Vol. 1“ dermaßen reichhaltig ist, ist es überhaupt nicht überladen. Gerade in der zweiten Hälfte des Albums enthält jedes Lied einen anderen stilistischen Ursprung. Während die erste Hälfte vom traditionellen Doom geprägt ist, was das Album leicht zugänglich macht und deshalb klug arrangiert ist, sprengen SOON mit „Gold Soul“ die Ketten und sind fortan nicht mehr an Kategorien oder Schubladen gebunden. „Vol. 1“ ist so gut, weil es so unerhört abwechslungsreich ist. Die Wirkungsmacht und Stärke liegt in der Vielfalt, die entgegen aller Regeln unerhört homogen ist.

„Vol. 1“ ist ein großartiges Debütalbum. Es ist sehr gefühlvoll und steckt voller schöner Melodien, hat aber auch eine drückende Schwere und eine geheimnisvolle und feine, von Sehnsüchten getriebene Melancholie.

Soon – Vol. 1
04.03.2016 | Doom / Heavy Rock
Vinyl / CD / Digital | Temple Of Torturous

1. We Are On Your Side
2. Burning Wood
3. See You Soon
4. Gold Soul
5. Glass Hours
6. Mauveine
7. Datura Stramonium
8. Rise

https://www.facebook.com/soonisonyourside | https://soonisonyourside.bandcamp.com/releases
http://www.templeoftorturous.com/ | https://www.facebook.com/ToTRecords | https://templeoftorturous.bandcamp.com/

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