The Soundbyte – Solitary IV

The Soundbyte - Solitary IVSchaurig schön, ätherisch und nebulös. So lässt sich „Solitary IV“ gut beschreiben, das mittlerweile vierte Album von THE SOUNDBYTE, wo der norwegische Musiker Trond Engum von THE 3RD AND THE MORTAL hinter steckt. Gemeinsam mit Schlagzeuger Rune Hoemsnes und einigen Gastmusikern erschuf Engum experimentelle Klanglandschaften, die zwischen Ambient, Folk, Metal, Doom und Rock hin und her wabern.

Auf mich machte „Solitary IV“ von Beginn an einen sehr erhabenen und würdevollen Eindruck. Die Musik ist zwar melancholisch, und weibliche Gesänge, gerne auch mal schemenhaft, rufen Erinnerungen an Gothic wach, dennoch bleibt sie ernsthaft und erwachsen, fast schon pastoral. Mit kitschigem, postpubertärem Gehabe hat THE SOUNDBYTE glücklicherweise nichts zu schaffen.

Vielmehr kreiert Engum dunkle Klangwolken, die verführerisch und mitunter auch verstörend sein können. Im Eröffnungsstück „Fanfare“ erinnert mich THE SOUNDBYTE ein wenig an den Opener von SUMMONINGs „Let The Mortal Heroes Sing You Fame“, was den Fanfaren und der daraus resultierenden Atmosphäre geschuldet ist, die sich ästhetisch und majestätisch erhebt. Direkt darauf folgt „Descending“, welches ziemlich düster und beklemmend mit Ambient und Electronica beginnt, sich jedoch zu einem Stück wandelt, welches aufgrund des Frauengesanges und der kratzigen Gitarren an norwegischen Doom, Gothic und Black Metal der 1990er erinnert. In solchen Momenten hört und spürt man auch die langjährige Erfahrung Engums in der norwegischen Szene.

Das Schöne an „Solitary IV“ ist einerseits die dichte, durchgängig aufrechterhaltende Atmosphäre, andererseits das spannungsreiche und mit Abwechslung versehene Spiel. Das Album hört und fühlt sich stimmig an, obwohl die musikalischen Darbietungen gar nicht mal besonders homogen sind. THE SOUNDBYTE experimentiert mit Klangelementen unterschiedlicher Genres, was dazu führte, auch störende und hässliche bzw. raue und ruppige Arrangements zu hören.

The SoundbyteEben diese Kontraste und Spannungen machen „Solitary IV“ für mich zu einem interessanten Album. Es ist eine gelungene Mischung aus leisen, gefühlvollen, harmonischen Fragmenten und düsteren, beklemmenden oder verstörenden Klängen. In jedem Fall ist es ein ästhetisches Werk, ganz gleich ob erhaben und majestätisch oder morbide und bizarr. Alles hat seine Berechtigung und fügt sich elegant zu einem komplexen Gesamtwerk.

The Soundbyte – Solitary IV
30.06.2017 | Folk, Ambient, Metal
CD, Digital | Temple Of Torturous

1. Fanfare
2. Descending
3. North
4. Lamentations
5. Floating
6. Estranged
7. Solitary

http://thesoundbyte.com/ | https://www.facebook.com/The-Soundbyte-152342254790721/
http://www.templeoftorturous.com/ | https://www.facebook.com/ToTRecords/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.