Svin – Missionær

Svin - MissionærAls „Missionær“ angekündigt wurde war meine Vorfreude groß, hatte ich doch mit dem selbstbetitelten Vorgänger viel Spaß gehabt. Seit dessen Erscheinen sind rund zwei Jahre vergangenen und man enterte im Dezember des vergangenen Jahres das isländische Sundlaugin Studio, wo schon SIGOR RÓS, SÓLSTAFIR oder BJÖRK verweilten. Für SVIN ist „Missionær“ die bereits vierte Studioarbeit seit 2011, welche am Freitag auf Vinyl, CD und digital erscheinen wird.

SVIN sind ruhiger geworden. Während alle drei Vorgänger immer auch laute, lärmende und wilde Anteile enthielten, verhalten sich die vier Dänen nun zurückhaltender. Das Harte und metallische wurde etwas zurückgefahren und dafür traten vermehrt abstrakte Klangexperimente aus Rock, Drone und Folk in den Vordergrund. Dies mag zunächst womöglich enttäuschen, gerade dann, wenn man rhythmische dynamische Lieder wie „Fuck John“ oder „Maharaja“ sehr mag.

Experimentierfreudig und grenzenlos sind SVIN aber nach wie vor. Sie denken nicht in Schubladen und lassen sich folglich auch nur schwer einem Genre zuordnen. Das Tenorsaxophon, die Klarinette sowie das überaus vielfältige Schlagzeug sorgen für einen leichten jazzigen Anstrich, während die Keyboards eine harmonische und sphärische Atmosphäre kreieren, die sich irgendwo zwischen Ambient und Drone bewegt.

Mit dem ruhigen Auftakt „Dødskontainer“ startet das Album unheimlich, düster und geheimnisvoll. Es ist ein sehr klares und besonnenes Arrangement, welches durch die zurückhaltende, beinahe minimalistische Umsetzung auffällt und schwebend im Raum steht. Auch wenn das Lied sehr sphärisch und harmonisch bleibt, besitzt es gewisse Spannungen, die durch die laute und lärmend anmutende zweite Hälfte hervorgerufen werden. Dieser Part ist im Vergleich zu den früheren Werken zwar gesittet und zurückhaltend, für „Missionær“ jedoch schon sehr intensiv und heftig.

Svin„Missionær“ ist in gewisser Weise enigmatisch, da SVIN ihre Motive verschleiern, gerade dann, wenn man sich retrospektiv mit früheren Werken beschäftigt. Doch solche Vielseitigkeit und Offenheit ist für Grenzen sprengende Bands wie SVIN eine wichtige Antriebsfeder. Fans von SVIN müssen sich an „Missionær“ vermutlich zunächst herantasten und das neue Album kennenlernen. Auf dem neuen Album dominieren leise Klänge und zahllose Zwischentöne. Nach einer kurzen Eingewöhnung gefällt es mir inzwischen richtig gut. „Missionær“ ist anders als seine Vorgänger, es ist ruhiger und melodischer, zugleich ist es aber auch geheimnisvoll und wunderbar arrangiert.

Svin – Missionær
21.10.2016 | Instrumental Rock / Jazz
Vinyl / CD / Digital | PonyRec

1. Dødskontainer
2. Færgen Ellen
3. V
4. Jasper
5. Kirkeorgelsafrikaner
6. Stella

Lars Bech Pilgaard – Gitarre
Henrik Pultz Melbye – Tenorsaxophon, Klarinette
Adi Zukanovic – Keyboards
Thomas Eiler – Schlagzeug

http://www.svin-music.com/ | https://www.facebook.com/SVINmusic | https://svin.bandcamp.com/
http://www.ponyrec.com/

SVIN | Færgen Ellen from Nicotine on Vimeo.

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