The Tidal Sleep – Be Water

The Tidal Sleep - Be Water„Be Water“ ist der Name des dritten Albums von THE TIDAL SLEEP. Es ist ein großartiger Name. Kurz, prägnant, einprägsam, passend zur Musik und in einem gewissen Sinn auch philosophisch. Für den bereits drei Jahre alten Vorgänger „Vorstellungskraft“, ebenfalls ein toller Albumname, konnten THE TIDAL SLEEP überaus viel Lob einstreichen. Dies sollte sich mit mühelos wiederholen lassen.

„Be Water“ ist ein sehr facettenreiches Album, welches Freunden von Screamo und Post Hardcore direkt ins Blut gehen dürfte. Die Lieder sind hart, melodisch und emotional. Eine dynamische Härte geht mit düsterer Schwere einher, und zwischendurch sind immer wieder Einflüsse aus Shoegaze und Post Rock zu vernehmen. „Be Water“ ist energiegeladen und gefühlvoll, es ist wie Wasser. Es kann Wärme und Geborgenheit spenden, sich aber auch zu einer zerstörerischen und tosenden Flut aufbäumen.

Auf dem Album ist immer etwas los. Harmonisch und rhythmisch ist ständig etwas in Bewegung, phasenweise wird es regelrecht komplex und technisch. THE TIDAL SLEEP haben es nicht so mit Stillstand oder Eingängigkeit. Es gibt zwar ruhige, gediegene Arrangements, wie etwa im Rausschmeißer „Footsteps“, wo gesprochene Stimmen und ein lieblicher Frauengesang gemeinsam mit verträumten Shoegaze-Gitarren für Wohlfühlatmosphäre sorgen. Doch es überwiegt das Laute und Energische, woran Sänger Nic mit seinem Geschreie maßgeblich beiträgt. Genau hier liegt für mich die Sperrigkeit des Albums. Ich hatte es mit Screamo noch nie so, und THE TIDAL SLEEP bekräftigen mich in meiner Abneigung. Mir ist stimmlich viel zu viel los. Einerseits ist es die Quantität, die mich fordert, andererseits triggern mich die Gesänge als solche. Nic deckt ein breites stimmliches Spektrum ab und ist sicherlich auch mit reichlich Screamo-Talent gesegnet, doch man muss es eben mögen.

The Tidal SleepDie Musik gefällt mir gut, ich mag die spielerische Vielfalt und die nuancierten Arrangements. Besonders gelungen empfinde ich jene Parts, in denen THE TIDAL SLEEP das Tempo rausnehmen, wie etwa im schweren und düsteren „Collapses“. Allerdings versperrt mir der Gesang ein wenig den Genuss der Musik. Doch wer THE TIDAL SLEEP kennt, oder aber darüber nachdenkt sich „Be Water“ anzuhören, wird ja vorab schon wissen was ihn erwartet und solche Schwierigkeiten wie ich sie habe, nicht haben.

Ganz unabhängig vom Gesang ist „Be Water“ ein gut gemachtes, ansprechendes und vielschichtiges Album, welches nicht nur Fans von THE TIDAL SLEEP ansprechen dürfte. Im Juni sind sie übrigens auf Tour, wo man die beharrliche Eindringlichkeit bestimmt hervorragend erleben kann.

The Tidal Sleep – Be Water
26.05.2017 | Post Hardcore, Screamo
Vinyl, CD, Digital | This Charming Man Records

1. Bandages
2. Spills
3. Words
4. Sogas
5. Hearses
6. Undertows
7. Poisons
8. Collapses
9. Changes
10. Wreckages
11. Footsteps

02.06. Nürnberg – Musikverein
03.06. Braunschweig – B58
04.06. Hamburg – Hafenklang
05.06. Berlin – Tiefgrund
08.06. Innsbruck – Café Decentral oder PMK
11.06. München – Kafe Kult
14.06. Jena – Rosenkeller
15.06. Köln – AZ
16.06. Münster – Gleis 22
17.06. Mannheim – Maifeldderby

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