Tiny Fingers – The Fall

Tiny Fingers - The FallMit „The Fall“ schließt sich die Trilogie der Neuauflagen und TINY FINGERS knüpfen hiermit an „Megafauna“ und „We Are Being Held By The Dispatcher“ an. Insgesamt betrachtet ist „The Fall“ jedoch Album #5 in der Diskographie des in Tel Aviv beheimateten Quartetts.

Die neun Lieder auf „The Fall“ sind erneut zum Teil sehr elektronisch, jedoch hielt das Rockige wieder Einzug in die Musik. Während es auf „Megafauna“ einen beachtlichen Anteil an Gitarren und Schlagzeug gab, fehlte dieser nachfolgend auf „We Are Being Held By The Dispatcher“ und psychedelische Electronica gewannen die Oberhand. Auf „The Fall“ gibt es beides, wobei das psychedelische Moment auch hier massiv von elektronischen Klängen bestimmt wird.

Im ersten Durchgang empfand ich „The Fall“ als zu zahnlos und zu nett, immerhin hatte ich ja noch die beiden anderen, überaus starken Scheiben im Ohr, die mich auf Anhieb packten und mitrissen. Diese spontane Berauschtheit vermisste ich zunächst, obgleich die Stücke ganz nett zu sein schienen. Nett sind sie in der Tat, doch sie sind viel mehr als einfach nur nett. „The Fall“ ist ein ungeahnt komplexes und tiefgreifendes Album mit einer unaussprechlich detaillierten Vielfalt. Die einzelnen Lieder sind zum Teil sehr unterschiedlich. Ob die Platte nun homogen oder heterogen ist, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen. Einerseits ist das Album stimmig und flüssig, doch gibt es Kleinigkeiten innerhalb der einzelnen Lieder, die sehr eigensinnig und besonders sind, so dass die Lieder einen sehr h0hen eigenen Wiedererkennungswert haben. Dies ist nicht nur dem vielschichtigen Kompositionstalent der Musiker geschuldet, es liegt (wohl) auch daran, dass jedes Lied ein eigenes Kapitel ist, dem eine wahre Begebenheit zugrunde liegt. „The Fall“ ist eine autobiographische Verarbeitung der Erfahrungen, welche die vier Israelis machten. So kommt es auch, dass es neben freundlichen und positiv stimmenden Arrangements auch dunkle, düstere und beklemmende Brocken gibt. „The Fall“ ist demnach ein Abbild des Lebens, was die immense Vielfalt und Komplexität der Lieder erklärt.

Tiny Fingers (Band 3)
© Yoav Kedem

Nun aber noch ein paar Zeilen zur Musik: Die Arrangements sind sowohl laut, zupackend und kraftvoll, können aber auch ins Gegenteil umschlagen und leise, mysteriös und behutsam werden. Sehr interessant finde ich das toll gespielte und inszenierte Schlagzeug, dessen liebevolle und facettenreiche Bespielung ab und an gar jazzig anmutet. Andernorts ist der psychedelische Elektro-Sound dazu in der Lage, auch schon mal an DAFT PUNK zu erinnern. PINK FLOYD atmet man hingegen in „Dispatcher“, wo die verträumte Gitarrenlinie und der Kontrast aus leisen und lauten Klängen dezent den Briten huldigt.

„The Fall“ ist ein sehr subtiles und buntes Album, das teilweise dunkel und bedrohlich aber zugleich auch freundlich, sonnig und positiv ist. Meine anfängliche Zurückhaltung musste ich aufgeben. TINY FINGERS überzeugen auch mit „The Fall“ vollends, es ist ein Album welches allmählich auf der Tiefe wirkt und dann voll zu schlägt. Jedes der drei Werke hat seine Vorzüge und Eigenheiten. Einen Favoriten zu küren erscheint mir unmöglich, deshalb mein Rat: Am besten alle drei Scheiben ausgiebig und intensiv zu Gemüte führen.

Tiny Fingers – The Fall
2016 | Psychedelic / Rock / Elektro
Vinyl / CD | Pelagic Records

1. The Fall
2. Eyes Of Gold
3. Traveller Soul
4. Deuteronomy
5. Drops
6. The Other
7. 9 Of Swords
8. Dispatcher
9. Music For The Sun

http://tifimusic.com/ | https://www.facebook.com/fingersmusic | https://tinyfingers.bandcamp.com/
http://pelagic-records.com/

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