Tusmørke – Fjernsyn I Farver

Tusmørke - Fjernsyn I FarverIch muss gestehen, dass ich die Besprechung von „Fjernsyn I Farver“ von TUSMØRKE auf die lange Bank schob als ich las, dass es sich hierbei um Progressive Folk Rock handeln würde. Prog Rock für sich allein ist für mich bereits immer sehr schwierig und Folk Rock war für mich viele Jahre lang ein rotes Tuch. Jetzt kommt beides zusammen, wie schrecklich, so mein Gedanke, was für ein Graus. Als ich mir „Fjernsyn I Farver“ dann das erste Mal anhörte, wurde ich jedoch überrascht.

„Fjernsyn I Farver“, was Farbfernsehen übersetzt heißt, ist das sechste Album und zog mich schon nach wenigen Sekunden in seinen Bann. Das Album beginnt mit dem Titellied, welches mich am Anfang ganz kurz ob seiner Melodik, Rhythmik und norwegischen Sprache ein wenig an den norwegische (Folk) Black Metal erinnert*.

Recht schnell präsentieren TUSMØRKE ihre Qualitäten. Die relativ langen Lieder sind überaus vielfältig, wendungsreich und es ist eine unüberschaubare Anzahl an Instrumenten zu hören. Vor allem die große Zahl an Tasteninstrumenten ist atemberaubend. Es kamen verschiedene Keyboards, Pianos und Orgeln analoger und digitaler Bauweise zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit den Flöten und dem Bass entstand eine dynamische und streckenweise sonderbare Musik, die mal mehr Folk Rock, mal mehr Progressive Rock ist.

Besonders gut gefallen mir die folkigen Arrangements, weil TUSMØRKE komplett auf Kitsch und plakative Effekthascherei verzichteten. Stellenweise nehme ich sogar die eine und andere düstere Note, überaus subtil im bunten Treiben versteckt, wahr. Gleichzeitig ist die Musik aber auch mit einer Freude und guten Laune beglückt worden, die mich an einen Zirkus oder Jahrmarkt denken lässt.

Tusmørke (by Terje Skår)
Foto: Terje Skår

Letztlich ist „Fjernsyn I Farver“ überragend, ganz einfach deshalb, weil es TUSMØRKE gelang, mich Kostverächter zu überzeugen. Ich liebe die Melodien, welche hin und wieder eigensinnig sind und fast ins Disharmonische gleiten, die überraschenden Breaks und die grandiose Instrumentierung. Die Musik ist gewiss komplex, aber niemals anstrengend, so wie ich es oft im Prog Rock erleben musste. Das Album macht Spaß und es deckt musikalisch und stimmungstechnisch eine unbeschreiblich breite und gleichermaßen unterhaltsame Palette ab. „Fjernsyn I Farver“ ist laut und energetisch, folkig und progressiv, aber auch leise sowie gefühlvolle Arrangements haben ihren Platz.

Tusmørke – Fjernsyn I Farver
2018 | Progressive Folk Rock
Vinyl, CD, Digital | Karisma Records

1. Fjernsyn I Farver
2. Kniven I Kurven
3. Borgerlig Tussmørke
4. 3001
5. Death Czar
6. Tøyens Hemmelighet

Benediktator – Bass, Gesang, Glockenspiel
Krizla – Flöte, Gesang, Elektronik, Perkussion
The Phenomenon Marxo Solinas – Minimoog Model D, Korg CX3, Cembalo, Grand Piano, Clavinet, Mellotron, Wurlitzer 200, Hammond C3, Solina String Engsemble
HlewagastiR – Schlagzeug, Perkussion

* Mit Black Metal hat die Musik von TUSMØRKE natürlich rein gar nichts zu tun, allerdings bin ich mit dem norwegischen Black Metal der Neunziger groß geworden. Viele Bands griffen (und viele tun es noch heute) auf spezielle Melodien und Instrumente des Folk Rocks zurück, was ich eben hier stellenweise wiederfinde und das mich an die Bands von einst erinnert. Aus jener Zeit rührt auch meine Abneigung gegenüber Folk Rock und Folk Metal, weil mir die meisten Bands viel zu übertrieben, plakativ und fröhlich daher kamen.

https://www.facebook.com/Tusmorke/ | https://soundcloud.com/tusm-rke
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