Twinesuns – The Empire Never Ended

Twinesuns - The Empire Never EndedFreunde der bleiernen Langsamkeit, des monotonen Gleichklangs und der nebulösen Mystik sollten aufpassen, TWINESUNS aus Bielefeld werden mit ihrem zweiten Album „The Empire Never Ended“ ein klangliches Drone-Manifest hinterlassen. Interessanterweise verzichteten sie auf Schlagzeug und Bassgitarren, aber auch der Gesang fehlt (weitgehend). So darf man also auf ein langes, live eingespieltes Instrumentalalbum gespannt sein, welches Drone und Ambient in sich vereint.

Ich bin überrascht, wie gut der Verzicht der Bassgitarren funktioniert. TWINESUNS griffen auf Effekte, Pedalen und Baritongitarren zurück, um dieses Fehlen zu kompensieren, und am Ende wird die Bassgitarre überhaupt nicht vermisst. Das Trio erreicht dennoch eine klangliche Tiefe und Schwere, wie es sich für derlei Drone nun einmal gehört.

Die sieben Stücke des Albums erzählen in gewisser Weise ein kosmisches Gedicht. Die extrem langsam gespielten Gitarren ergeben gemeinsam mit den sphärischen Raumklängen des Moog-Synthesizers einen in sich geschlossenen Klangkosmos ohne Anfang und ohne Ende.
Um diesem Gedicht zu folgen muss man aber einige Geduld aufbringen, da es TWINESUNS alles andere als eilig haben und auf Effekthascherei verzichteten. Die bleiernen Arrangements sind zuweilen extrem monoton und können mitunter langweilig wirken. Jedenfalls empfinde ich das so, da mir bisweilen etwas Böses oder Bizarres fehlt. Andererseits ist „The Empire Never Ended“ aber ein sehr sphärisches und kosmisches Album, welches ob seiner stellaren Weiten eine gewisse klaustrophobische Schwere und Beklemmung verursacht.

Die Umsetzung ist wunderbar gemacht, daran bestehen keine Zweifel und der glasklare Klang ist auch ohne Bassgitarre in den richtigen Momenten wahrlich fett. Für meinen Geschmack ist das Album in seiner Länge aber zu zurückhaltend. TWINESUNS setzen auf ein ästhetisches Understatement, wofür man Interesse und Neugier mitbringen muss. Es gibt natürlich auch Passagen oder Lieder, die mir richtig gut gefallen, immer dann, wenn es etwas lauter oder energischer wird, doch sind die Durststrecken zwischen solchen Parts immens lang, ungefähr so, wie wenn man mit seinem Raumgleiter durch die endlosen Leeren des interstellaren Raums fahren müsste, um zum nächsten Stern zu gelangen.

TwinesunsWer sich für schweren Drone und Ambient begeistert, der sollte „The Empire Never Ended“ aber unbedingt probieren. Ich könnte einige große Bandnamen nennen, an die man sicherlich denken könnte, doch offen gestanden empfinde ich den Sound von TWINESUNS so eigenständig, dass ich dies bewusst unterlasse. „The Empire Never Ended“ ist sozusagen Drone für Fortgeschrittene.

Twinesuns – The Empire Never Ended
27.01.2017 | Drone, Ambient
Vinyl, CD, Digital | Pelagic Records

1. Simon The Magus
2. Die Zeit ist da
3. System Regained
4. Pneuma
5. The Empire Never Ended
6. Going Through Life With Eyes Closed
7. Firebright

Thor Ohe – Gitarren, Effekte
C. – Baritongitarren, E-Bow
Renzo T. Especial – Moog-Synthesizer

https://www.facebook.com//twinesuns | https://twinesuns.bandcamp.com/
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