We Stood Like Kings – USA 1982

We Stood Like Kings - USA 1982Seit 2012 widmen sich WE STOOD LIKE KINGS der Neuvertonung von Stummfilmen. Nachdem man sich die Jahre 1927 und 1926 vorgenommen hatte, macht man nun einen großen Sprung über den Teich in das Jahr 1982. Diesmal komponierten die vier Belgier einen neuen Soundtrack für „Koyaanisqatsi“ (ein Wort der Hopi-Indianer, das es in keiner Schriftsprache gibt und verkürzt so viel wie Leben in Ungleichgewicht bedeutet).

„Koyaanisqatsi“ ist ein experimenteller Film, an dem der Regisseur Godfrey Reggio sieben Jahre arbeitete. Reggio erzählt in monumentalen Bildern eine apokalyptische Vision über die Menschheit, darüber, wie wir durch technischen Fortschritt die Erde – und letztlich uns selbst – zerstören. Es ist eine Zivilisationskritik mit ästhetischen und künstlerischen Mitteln. Der Film ist und war nicht nur wegen der Bilder erfolgreich, auch Philip Glass trug mit seinem vielbeachteten Soundtrack maßgeblich dazu bei.

Das sind alles erschwerende Umstände, denen sich WE STOOD LIKE KINGS bei der Entstehung ihres dritten Albums stellen mussten. Wie sie diese Aufgabe bewältigten, wird im Folgenden erläutert.

Wie es nicht anders zu erwarten war, spielen WE STOOD LIKE KINGS erneut eine würdevolle Verschmelzung von neoklassischem Piano mit Post Rock. Judith Hoorens‘ Tastenspiel ist ein zentrales Element, welches mich bereits auf dem Vorgänger „USSR 1926“ begeisterte. Und auch diesmal ist es vor allem ihr Instrument, welches mich am meisten berührt.

In dem Lied „Heat Haze“ gehen die Gitarren und das Piano eine spannungsgeladene, symbiotische Beziehung ein. Erst ruhig, zurückhaltend und repetitiv, steigert sich das Arrangement dann allmählich zunehmend, wird lauter, intensiver und dynamischer. Solche Kontraste sind es auch, die „USA 1982“ zu einer interessanten und unterhaltsamen Platte machen. Immer wieder sind punktuell eruptive Ausbrüche zu hören.

We Stood Like Kings - Press Photo 2017 (c) Emilie Larcier
Foto: Emilie Larcier

Über weite Strecken sind jedoch die vielen leisen, behutsamen und regelrecht zarten und zerbrechlichen Arrangements federführend. Dies scheint, so mein Verdacht, den monumentalen Bildern des Films geschuldet zu sein. Ist das Optische gewaltig und überwältigend, sollte die Musik dies durch vornehme Zurückhaltung unterstreichen. Insofern ist die ruhige, leise und tragende Grundausrichtung von „USA 1982“ nur allzu verständlich.

Wenn man „USA 1982“ mit seinem Vorgänger „USSR 1926“ vergleicht, fallen Unterschiede auf. Zwar sind beides Instrumentalalben, dennoch nehme ich sie anders war, fühlen sie sich unterschiedlich an. „USA 1982“ ist für meine Begriffe ruhiger, zurückhaltender und Intimer. WE STOOD LIKE KINGS bleiben ihrer Linie einerseits treu, andererseits verharren sie nicht im Stillstand.

WE STOOD LIKE KINGS lösten die selbst gestellte Aufgabe meisterlich. Es ist ihnen anstandslos gelungen, ein schönes Werk zu erschaffen, welches sich im Spannungsfeld von instrumentalem Post Rock und Neoklassik befindet.

We Stood Like Kings – USA 1982
22.09.17 | Instrumental Rock
Vinyl, CD, Digital | Kapitän Platte

CD1
1. Holy Ghosts
2. Four Corners
3. Nuages
4. Heat Haze
5. 33 Eleven
6. Grand Illusion

CD2
1. Night Owl
2. Machines
3. Eldoradosis
4. I Like That
5. Atlas Centaur

Judith Hoorens – Piano
Philip Bolten – Gitarre
Colin Delloye – Bass
Mathieu Waterkeyn – Schlagzeug

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