We Stood Like Kings – USSR 1926

We Stood Like Kings - USSR 1926Instrumentale Post-Rock-Bands gibt es viele, doch nur wenige lassen sich etwas Besonderes einfallen. Nicht grundlos ist „USSR 1926“ bereits Platte des Monats geworden, lange vor Veröffentlichung der Rezension. Ein Novum für Fons Immortalis. Was aber ist nun das Besondere an WE STOOD LIKE KINGS und „USSR 1926“? Die Belgier haben einen Soundtrack zu dem Stummfilmklassiker „Ein Sechstel der Erde“ von Dziga Vertov geschrieben und eingespielt. Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit dem Alltag der vielen unterschiedlichen sowjetischen Völker, wie sie das politische und wirtschaftliche Dasein erleben und meistern. Es ist nicht das erste Mal, dass WE STOOD LIKE KINGS einen Stummfilm musikalisch untermalen und begleiten. Auf ihrem Debüt nahmen sie sich „Berlin – Sinfonie einer Großstadt“ vor.

Es ist zwar nicht unbedingt neu Akustisches und Visuelles miteinander zu verbinden, doch einen kompletten Stummfilm musikalisch zu begleiten, wie die Belgier es auf ihren Konzerten inszenieren, ist nicht nur bemerkenswert sondern auch überaus anregend.

Der Film „Ein Sechstel der Erde“ ist mir zwar unbekannt, dennoch gelingt es WE STOOD LIKE KINGS mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen. Mit dem Opener „Capital“ beginnen WE STOOD LIKE KINGS so berührend, dass ich nicht umhin komme mir vorzustellen, wie der kalte sowjetische Winter allmählich den Frühling begrüßt, wie Schnee und Eis schmelzen, wie die unendlichen Weiten langsam zum Leben erwachen, wie verletzliche Pflanzentriebe sich aufbauen und zarte Knospen entstehen. Ich bin eigentlich überhaupt nicht der Typ fürs Kopfkino, doch was WE STOOD LIKE KINGS hier machen, belebt sogar meine Vorstellungskraft.

We Stood Like Kings
© Esther Tchogninou

„USSR 1926“ ist wunderbare, zutiefst gefühlvolle und wunderschöne Instrumentalmusik, die nicht nur zum Träumen einlädt sondern regelrecht auffordert. Die Atmosphäre, die Harmonien, jeder Ton, jeder Melodie, alles scheint eine Geschichte zu erzählen, alles scheint von einer unbeschreiblichen und außergewöhnlichen Emotionalität beseelt zu sein. Maßgeblich trägt das von Judith Hoorens gespielte Piano zu dieser ergreifenden und komplexen Atmosphäre bei. Ich bin zwar kein Experte in Sachen Klassik und Piano, doch ihr Spiel an den Tasten ist einfach bezaubernd. Nicht nur die Melodien sind vereinnahmend auch das Gefühl mit dem sie spielt beeindruckt mich nachhaltig. Vor allem in „Siberian Taiga“ fühle ich mich vom Zusammenspiel von Piano, Gitarre, Melodik und Rhythmik zutiefst im Innersten berührt. Wenn Musik imstande ist für Ergriffenheit und Gerührtheit zu sorgen, ist das wohl das beste Lob für einen Musiker.

„USSR 1926“ ist ein Album auf dem alles stimmt. Es hat nicht nur eine dichte und tolle Atmosphäre, es hat eine packende Dramatik, großartige Melodien und ein vielseitiges, nuanciertes Instrumentenspiel. Kurz: „USSR 1926“ ist ein kleines Meisterwerk. Ihr könnt euch auf den 30. Oktober als Veröffentlichungstermin freuen! Ich freue mich auf den 8. November, dann sind sie zu Gast in Berlin. Mal schauen wie Visuelles und Akustisches miteinander harmonieren.

We Stood Like Kings – USSR 1926
2015 | Instrumental Rock
Vinyl / CD / Digital | Kapitän Platte

1. Capital
2. Downfall
3. Siberian Taiga
4. Are You A Master Too?
5. Kremlin
6. Immense Wealth
7. Caravans
8. Samoyedes
9. The Black Sea
10. Icebreaker Lenin
11. Volchovstroy

http://www.westoodlikekings.com/
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http://kapitaen-platte.de/

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